Gebührt sich ein Studium?

Um als Voraussetzung klar zu stellen: ich habe (noch) nicht studiert und bin deshalb selbst nicht von der einen, sondern von der anderen Seite betroffen. Bei mir liegt das nicht daran, dass ich nicht dürfte oder könnte, sondern dass ich für mich einen anderen Weg gewählt habe. So viel dazu.

Viele Menschen in unserer Gesellschaft streben ein Studium an. Warum sie das tun, entscheidet jeder selbst, wobei ich davon aus gehe, dass die meisten das nicht bewusst machen. Sie studieren weil es ihre Eltern so wollen, weil sie nicht wissen was sie sonst machen sollen, weil es Spaß macht, weil sie denken, die Gesellschaft erwartet es von einem, weil sie später mehr Geld oder einen sozialen Status erreichen wollen oder – und das ist der edelste Beweggrund: weil sie in ihrer späteren Aufgabe ihre Erfüllung sehen. Warum oder ob man also so viele Jahre ‘lernt’, bleibt jedem selbst überlassen.

Nun bedeutet ein Studium – abgesehen von dem enormen Wissen, dass man sich aneignen sollte, der vielen freien Zeit die Andere haben, den Vergünstigungen die man genießt oder benötigt und dem Verzicht auf ein normales Leben als Geldverdiener auch, dass es gute Professoren geben sollte und die Gebäude eine angemessene Austattung haben sollten.

Diese Professoren kostet Geld. Und zwar eine Menge. Abgesehen von den enormen aktiven Gehältern, bleiben da noch die unerreichbaren Pensionen der immer älter werdenden Ex-Professoren. Dass erstere ihr Geld ‘verdienen’ darf bei manchen in Frage gestellt werden – unabhängig davon wie schwer es ist das erst einmal zu erreichen.
Die Gebäude und die Einrichtungen sollten auch gut sein um für die Studenten gute Ergebnisse zu ermöglichen.

Mir geht es jetzt um folgendes: wer bezahlt das alles? Richtig, der Staat. Weil Bildung ein ‘Recht’ für alle ist. Wer sich bilden will, soll das auch. Ich stehe nur nicht hinter denen, die einfach nichts anderes machen wollen und deshalb studieren. Das verurteile ich ähnlich, wie Leute die einfach zum Arzt gehen, weil sie Gesellschaft brauchen oder weil es sowieso ‘nichts kostet’. Und genau für diese beiden Fälle hat der Staat Gebühren eingerichtet. Wer wirklich studieren will, den interessieren doch 100 € im Monat nicht. Und wer wirklich krank ist, der ärgert sich doch über 3,33 € pro Monat nicht. Beide sind dankbar, dass sie die Möglichkeiten haben die sie in Deutschland haben.

Was mich hier am meisten ärgert ist, dass wohl nur ein winziger Bruchteil weiß, was ein Studium oder ein Arztbesuch in Deutschland kostet. Warum sollte Jemand denn so lange etwas wirklich schwieriges wie Medizin studieren, um nicht später auch viel Geld zu verdienen wenn er gut darin ist? Hier ein paar einfache Beispiele:

In Deutschland kostet ein Student im Durchschnitt 115.000 € (an Unis mehr, an FHs weniger; je nach Studiengang zwischen 4.000 und 20.000 € pro Jahr). Und zwar auch die die abbrechen oder die, die nie arbeiten gehen. Es gibt das Argument, dass die später mehr verdienenden Studierten ja auch wieder mehr Steuern zahlen würden. Das ist in der Regel nicht so. Und falls doch, dann verdienen sie auch das vielfache netto mehr. Wie sonst würde sich erklären, dass Studien in den USA oder in Großbritannien vom Studierenden selbst real gezahlt werden müssen und die fertigen Studenten erst einmal einen Kredit in Höhe von 100.000 – 200.000 € abbezahlen müssen und dies auch recht schnell erreichen?

Privatpatienten in Deutschland wissen auch was sie kosten, da sie ihre Rechnungen selbst erhalten und erst einmal bezahlen müssen.

Bei beidem und vielem anderen würde ich gerne eine Transparenz haben, durch die jeder nur die Kosten die er verursacht sieht – nicht bezahlt. Dies würde leidige Diskussionen einen Schritt voran treiben.

P.S. ein Studienplatz (sowohl die Uni als auch die Subventionen für alle Studententarife) wird durch den Staat bezahlt. Der Staat wird durch Steuern bezahlt. Steuern zahlen auch Azubis, die gleich alt sind, mehr arbeiten, weniger verdienen und nichts vom Studium haben. Denen gegenüber finde ich das am ungerechtesten.

mein Mitbewohner 4. Mai 2011 mein Mitbewohner Keine Kommentare Trackback URL Kommentare RSS

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