Milliardäre sind die neuen Millionäre

In Italien geht eine Fähre halb unter und ein gutes dutzend Menschen sterben. Nachdem der erste “Schock” (oder nennen wir es den Zeitraum bis es politisch korrekt ist seine Sensationsgeilheit weiter zu leben) überwunden ist, melden Medien folgendes:

“Bis zu einer Milliarde Euro (oder Dollar?) Schaden”.

Diese Summe wirkt riesig. Oder winzig. In Relation zu individuellem Durchschnittsbesitz. Oder in Relation zur Staatenrettung (oder sind es Banken?). Wir sind jedenfalls alle sehr empört.

Vor ungefähr fünf Jahren waren wir das auch, als sich folgendes ereignete:

Die deutsche Wirtschaft stand vor dem Abgrund. Wir wussten nicht ob wir morgen noch genügend Geld/Essen bekommen würden. Die Lokführer streikten. Damit haben sie riskiert, einen volkswirtschaftlichen Schaden von 75.000.000 Euro zu verursachen. Millionen. Eine Milliarde sieht so aus: 1.000.000.000. Und der Rettungsschirm der EU ungefähr so: 750.000.000.000. Und die deutschen Staatsschulden so: 3.286.000.000.000 (Dollar).

Dennoch wundern wir uns jeden Tag erneut über irgendeine hohe Zahl – die morgen garantiert übertroffen werden wird. Nichts kann über die Zukunft vorhergesagt werden. Außer das. Und dennoch wundern wir uns. Warum das so ist? Weil wir uns das nicht ‘vorstellen’ konnten. Und danach, weil es ja schon wieder ‘alt’ ist. Nicht vorstellen? Stellen wir uns folgendes vor: ein Handy mit 300 Terrabyte Speicher. Ein Auto, das 1540 Kilometer pro Stunde fahren kann. Einen Fußballspieler für 4 Billionen Euro kaufen. 30 Milliarden Einwohner. 5 Milliarden Tote. Filme in einer Auflösung von 1,6 Millionen Pixeln mal 900.000.

Dass heute Jemand 70 Milliarden besitzt, ist nichts besonderes. Dass facebook 700 Millionen Nutzer hat auch nicht. Dass ein Staat mit 13 Billionen Dollar (oder Euro?) verschuldet ist auch nicht. Und so weiter.

Das hat alles mit der Geldentwertung zu tun. Das heißt sich in Wirtschaftsfachkreisen ‘Inflation’ und findet schon seit geraumer Zeit statt. Das liegt an etwas, dass die selben Fachleute ‘Zinsen’ (oder Wachstum?) nennen. Und es wird nicht freiwillig enden. Mit anderen Worten: demnächst besitzt Jemand zehn Billionen Yuan (oder Pfund). Und ein Konzert wird von einer Millionen Menschen besucht. Das liegt auch daran, dass wir immer mehr Menschen werden, und alle immer mehr ‘besitzen’. Manche sehr viel mehr, manche sehr viel weniger. Und auch das wird sich nicht freiwillig ändern. Also: die die wissen wie ‘s geht (oder es wollen?), werden mehr haben. Und die, die ‘s nicht wissen (oder können?) weniger. Damit der, der mehr haben will, auch mehr hat, sollte er möglichst wenige andere haben, die gleich viel haben. Also werden Methoden ausgefeilter. Und mehr Leute mehr weniger haben. Die Welt könnte dann so aussehen, dass der größte Teil irgendetwas zwischen wenig und nichts hat. Das wird einen Teil davon vielleicht wütend machen. Auf der anderen Seite werden wenige mehr haben. Das soll auch so bleiben. Also haben sie Angst. Also sichern sie sich ab. Die können das ja mit all dem Geld auch. Jetzt die Frage: wollen wir wütend oder ängstlich sein?

Wenn wir uns dann für eines entschieden haben, werden wir wissen, wie lange die Situation noch so bleiben wird und wie sie danach sein wird.

„Nicht der ist arm, der wenig besitzt, sondern wer nach mehr verlangt.“ – Lucius Annaeus Seneca

mein Mitbewohner 19. Januar 2012 mein Mitbewohner Keine Kommentare Trackback URL Kommentare RSS

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