Immer wieder lesen

In den sogenannten westlichen Kulturen entwickelt sich seit einem Jahrhundert ein Verhalten, dass fast die gesamte Bevölkerung zu durchdringen scheint: Verlangen nach Unterhaltung. Das hat wohl viele Ursachen, ein Aspekt davon ist, dass wir immer verbreiteter immer und überall das bekommen worauf wir “Lust” haben. “Lust” ist hier das einfache Verlangen nach etwas, nicht zu verwechseln mit dem “Wollen”, dem etwas erreichen und seine Konsequenzen kennen und akzeptieren. Diese Lust ist auf eine so schnell wie mögliche Befriedigung aus. Egal wie lange sie anhält oder welche Konsequenzen sie hat (es wird gar nicht erst über die Konsequenzen nachgedacht). Das führt dazu, dass Menschen, Gewohnheitstiere wie wir alle sind, sich eben daran gewöhnen, dass alles sofort und möglichst leicht ist. Wenn es nicht schnell genug geht, oder der “Schwierigkeitsgrad” zu hoch scheint, lehnen wir es ab und beschäftigen uns mit etwas leichterem. Leider ist das eine Teufelsspirale. Wir werden fauler. Und weil wir fauler werden, werden wir fauler. Das zeigt sich unter anderem schon im einfachen aufnehmen von Informationen. Möglichst nur Informationen, die kein Vorwissen benötigen, die kein Denken verlangen und die nicht behalten werden müssen. Schnell rein, schnell raus. Fast-Info, sozusagen. Und weil in unserem (kapitalistischen, sprich: es passiert das, wo sich viel Geld zentriert, weil Menschen viel Geld wollen) System viele Menschen einen großen Teil ihrer Energie, Aufmerksamkeit oder Zeit darauf ausrichten, wie an mehr Geld gekommen werden kann, schaffen einige Menschen die Bedingungen, die es anderen ermöglichen, durch Geld ausgeben, schnell an das zu kommen worauf sie jeder Zeit Lust haben (Nachrichten, Kontakt, Essen, Vergnügen, Kunst und vieles mehr). Ein einfaches Beispiel: wenn ich herausfinde (Marktforschung), dass viele Menschen ihre Informationen möglichst sofort und in kürzester, knappester Form (online-Nachrichten, soziale Netzwerke) haben wollen, brauche ich nur die uns zur Verfügung stehende Technologie (Internet, Mobilfunk, Computer, Smartphones, Fernsehen) zu verwenden. Wenn ich jetzt noch Marketing betreibe (Werbung et cetera), treibe ich Menschen dazu (oder ich schaffe erst Bedürfnisse, die sonst gar nicht vorhanden wären), zu glauben, sie wollen das alles von sich aus. Wenn sie das erst einmal haben, werden sie ihr Geld ausgeben wollen. Ich als “Profiteur” überlege mir dann wieder neue Dinge, die Menschen haben wollen könnten. Nicht weil ich glaube, damit ihr Leben zu verbessern, sondern weil ich gerne Geld verdiene.

Die andere Seite der Münze jedoch ist, dass Menschen sich nicht mehr länger mit etwas befassen wollen, weil es “zu lange dauert”, “langweilig” ist oder “es ihnen nichts bringt”. So erfahren sie überhaupt nicht mehr, wie viel es tatsächlich an Befriedigung bringt, wenn etwas gelernt oder erkannt wird. Wenn Du bis hierher gelesen hast, dann bist Du schon bereit gewesen, weiter als die meisten Menschen zu lesen. Somit könnte Dir eine natürliche, gesunde Neugier oder ein Wissensdurst oder ein Erkenntniswunsch unterstellt werden. Je weiter das geht, desto befriedigender kann es sein. Das wichtigste lässt sich nicht in Worte fassen. Aber es kann umschrieben werden. Aber um es zu erkennen, reicht ein Einzeiler meist nicht aus. Er kann ausreichen. Aber die (Un-)Zufriedenheit der Menschen betrachtend, könnte es sein, dass er es tendenziell nicht tut. Um es einfacher zu sagen: was liest Du?

Eine Bibel ist nicht jedermanns Sache. Ein Koran auch nicht. Viele andere “alte Bücher” wohl auch nicht. Nichtsdestotrotz, gibt es einen Grund, warum sie existieren (genau wie bei allem neuen was entsteht). Es können gute Helfer auf dem Weg jedes Einzelnen sein. Aber es gibt nicht nur einen Weg. Und nicht nur einen Helfer. Es gibt unzählbar viele von beidem.

1893 kam ein sogenanntes Weltparlament der Religionen zusammen.

„Wenn das Parlament der Religionen der Welt etwas gezeigt hat, dann ist es Folgendes: Es hat der Welt bewiesen, dass Heiligkeit, Reinheit und Mildtätigkeit nicht ausschließliche Besitztümer irgendeiner Kirche in der Welt sind und dass jedes System Männer und Frauen von erhabenstem Charakter erzeugt hat. Angesichts dieser Tatsachen bemitleide ich von ganzem Herzen denjenigen, der vom ausschließlichen Überleben seiner eigenen Religion träumt und von der Zerstörung der anderen; und ich zeige ihm, dass auf dem Banner jeder Religion trotz Widerstandes bald geschrieben stehen wird: „Hilfe und nicht Kampf“, „Gegenseitiges Durchdringen und nicht Zerstörung“, „Harmonie und Frieden und nicht Widerspruch“.“ - Vivekananda

Das Mahabharata beschreibt den Unterschied bildlich: „Wer nicht erkennt, sondern nur vieles gehört hat, kann den Sinn der Schriften nicht verstehen, so wie ein Löffel nichts vom Geschmack der Suppe weiß“

„Ich habe alle Religionsbräuche geübt: den Hinduismus, den Islam, das Christentum, und ich bin auch die Wege der verschiedenen Sekten des Hinduismus gegangen, und ich habe gefunden, dass es derselbe Gott ist, zu dem sie alle streben, wenn auch auf verschiedenen Wegen … Ihr müsst diese verschiedenen Wege gehen und einmal jede Glaubensform wirklich durchproben. Ich sehe überall Menschen, die sich im Namen der Religion streiten: Hindus, Muslime, Brahmos, Vishnuiten usw. Sie bedenken aber
nicht, dass Der, der Krishna genannt wird, ebenso auch Shiva heißt, und ebenso gut kann er Urkraft, Jesus oder Allah genannt werden und ebenso gut der eine Rama mit seinen tausend Namen. Ein Teich mit vielen Badetreppen. Auf einer schöpfen die Hindus das Wasser in Krügen und nennen es Jal; auf einer anderen schöpfen die Muslime das Wasser in ledernen Schläuchen und nennen es Pani; auf einer dritten die Christen und nennen es Water. Können wir uns denn vorstellen, dass dieses Wasser nicht Jal ist, sondern Pani oder Water? Das wäre doch lächerlich! Der Urgrund ist Einer unter verschiedenen Namen, und ein jeder sucht nach demselben Urgrund; nur Klima, Naturanlage und Benennung schaffen die Unterschiede.“ - Ramakrishna

Video

Deussen ließ sich leiten von der philosophischen Grundüberzeugung, dass “in allen Ländern und zu allen Zeiten, in allen Nähen und Fernen es eine und dieselbe Natur der Dinge (ist), welcher ein und derselbe Geist betrachtend gegenübersteht. Wie sollte es da anders sein können, als dass der denkende Geist, sofern ihn nicht Traditionen und Vorurteile blenden, sofern er der Natur rein und unbefangen gegenübersteht, in seiner Erforschung derselben überall, in Indien wie in Griechenland, in alter wie in neuer Zeit zu den gleichen Ergebnissen gelangen müsste.”

“Wir kranken an heilbaren Übeln.” - Lucius Annaeus Seneca

mein Mitbewohner 29. Januar 2013 Ich und mein Mitbewohner Keine Kommentare Trackback URL Kommentare RSS

Einen Kommentar schreiben

Du musst angemeldet sein, um kommentieren zu können.