Monatsarchiv für November 2013

Du suchst im Moment im Archiv von Ich und mein Mitbewohner.

Enjoy.

“Die Bildung wird täglich geringer, weil die Hast größer wird.” – Friedrich Wilhelm Nietzsche

Geschrieben von mein Mitbewohner am 15. November 2013
Abgelegt unter mein Mitbewohner | Keine Kommentare

zenpencils.com

“For the past 33 years, I have looked in the mirror every morning and asked myself: ‘If today were the last day of my life, would I want to do what I am about to do today?’ And whenever the answer has been ‘No’ for too many days in a row, I know I need to change something.” – Steve Jobs

Geschrieben von mein Mitbewohner am 14. November 2013
Abgelegt unter mein Mitbewohner | Keine Kommentare

Sinn des Lebens

Was ist Ehrfurcht vor dem Leben und wie entsteht sie in uns?
Will der Mensch über sich selber und sein Verhältnis zur Welt ins klare kommen, so muss er immer aufs neue von dem Vielen, was sein Denken und Wissen ausmacht, absehen und sich auf die erste, unmittelbarste und stetig gegebene Tatsache seines Bewusstseins besinnen. Nur von dieser aus kann er zu denkender Weltanschauung gelangen.
Descartes lässt das Denken von dem Satze “Ich denke, also bin ich” (Cogito ergo sum) seinen Ausgang nehmen. Mit dem so gewählten Anfang gerät er unrettbar in die Bahn des Abstrakten. Aus diesem inhaltlosen, fiktiven Denkakt kann sich ja nichts über das Verhältnis des Menschen zu sich selbst und zum Universum ergeben. In Wirklichkeit hat die unmittelbarste Tatsache des Bewusstseins einen Inhalt. Denken heißt, etwas denken. Die unmittelbarste Tatsache des Bewusstseins des Menschen lautet: “Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.” Als Wille zum Leben in mitten von Leben erfasst sich der Mensch in jedem Augenblick, in dem er über sich selbst und über die Welt um ihn herum nachdenkt.
Wie in meinem Willen zum Leben Sehnsucht ist nach dem Weiterleben und nach der geheimnisvollen Gehobenheit des Willens zum Leben, die man Lust nennt, und Angst vor der Vernichtung und der geheimnisvollen Beeinträchtigung des Willens zum Leben, die man Schmerz nennt: also auch in dem Willen zum Leben um mich herum, ob er sich mir gegenüber äußern kann oder stumm bleibt.
Nun hat sich der Mensch zu entscheiden, wie er sich zu seinem Willen zum Leben verhalten will. Er kann ihn verneinen. Heißt er aber den Willen zum Leben sich in den zum Nichtleben wandeln, [...] so bringt es ihn mit sich selber in Widerspruch. Er erhebt etwas Unnatürliches, in sich Unwahres und Undurchführbares zu seiner Welt- und Lebensanschauung. [...]
Bejaht der Mensch seinen Willen zum Leben, so verfährt er in natürlicher und wahrhaftiger Weise. Er bestätigt eine bereits im instinktiven Denken vollzogenen Tat, indem er sie im bewussten wiederholt. Anfang, stetig sich wiederholender Anfang des Denkens ist, dass der Mensch sein Sein nicht einfach als etwas Gegebenes hinnimmt, sondern es als etwas unergründlich Geheimnisvolles erlebt. Lebensbejahung ist die geistige Tat, in der er aufhört dahinzuleben und anfängt, sich seinem Leben mit Ehrfurcht hinzugeben, um es auf seinen wahren Wert zu bringen. Lebensbejahung ist Vertiefung, Verinnerlichung und Steigerung des Willens zum Leben.
Zugleich erlebt der denkend gewordene Mensch die Nötigung, allem Willen zum Leben die gleiche Ehrfurcht vor dem Leben entgegenzubringen wie dem eigenen. Er erlebt das andere Leben in dem seinen. Als gut gilt ihm: Leben erhalten, Leben fördern, entwickelbares Leben auf seinen höchsten Wert bringen; als böse: Leben vernichten, Leben schädigen, entwickelbares Leben niederhalten. Dies ist das denknotwendige, absolute Grundprinzip des Sittlichen.
Der große Fehler aller bisherigen Ethik ist, dass sie es nur mit dem Verhalten des Menschen zum Menschen zu tun zu haben glaubte. In Wirklichkeit aber handelt es sich darum, wie er sich zur Welt und allem Leben, das in seinen Bereich tritt, verhält. Ethisch ist er nur, wenn ihm das Leben als solches, das der Pflanze und des Tieres wie das des Menschen, heilig ist und er sich dem Leben, das in Not ist, helfend hingibt. Nur die universelle Ethik des Erlebens der ins Grenzenlose erweiterten Verantwortung gegen alles, was lebt, lässt sich im Denken begründen. Die Ethik des Verhaltens von Mensch zu Mensch ist nicht etwas für sich, sondern nur ein Besonderes, das sich aus jenem Allgemeinen ergibt.
Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben begreift also alles in sich, was als Liebe, Hingebung, Mitleiden, Mitfreude uns Mitstreben bezeichnet werden kann.
Nun bietet die Welt aber das grausige Schauspiel der Selbstentzweiung des Willens zum Leben. Ein Dasein setzt sich auf Kosten des anderen durch, eines zerstört das andere. Nur in dem denkenden Menschen ist der Wille zum Leben um anderen Willen zum Leben wissend geworden und will mit ihm solidarisch sein. Dies kann er aber nicht vollständig durchführen, weil auch der Mensch unter das rätselhafte und grausige Gesetzt getan ist, auf Kosten anderen Lebens leben zu müssen und durch Vernichtung und Schädigung von Leben fort und fort schuldig zu werden. Als ethisches Wesen ringt er aber darum, dieser Notwendigkeit, wo er nur immer kann, zu entrinnen, und als einer, der wissend und barmherzig geworden ist, die Selbstentzweiung des Willens zum Leben aufzuheben, soweit der Einfluss seines Daseins reicht. Er dürstet danach, Humanität bewähren zu dürfen und Erlösung von Leiden bringen zu können.
Die in dem denkend gewordenen Willen zum Leben entstandene Ehrfurcht vor dem Leben enthält also Welt- und Lebensbejahung und Ethik ineinander und miteinander. Sie geht darauf aus, Werte zu schaffen und Fortschritte zu verwirklichen, die der materiellen, geistigen und ethischen Höherentwicklung des Menschen und der Menschheit dienen. Während die gedankenlose moderne Welt- und Lebensbejahung in Wissens- und Könnens- und Machtidealen umhertaumelt, stellt die denkende die geistige ethische Vollendung des Menschen als das höchste Ideal auf, von dem alle anderen Fortschrittsideale erst ihren wirklichen Wert empfangen.
Durch ethische Welt- und Lebensbejahung kommen wir in ein Überlegen hinein, das uns zwischen dem Wesentlichen und dem Unwesentlichen der Kultur unterscheiden lässt. Der geistlose Kulturdünkel verliert seine Macht über uns. Wir wagen der Wahrheit ins Auge zu schauen, dass mit den Fortschritten des Wissens und Könnens die wahre Kultur nicht leichter sondern schwerer geworden ist. Das Problem der Wechselbeziehungen zwischen dem Geistigen und dem Materiellen geht uns auf. Wir wissen, dass wir alle mit den Verhältnissen um unser Menschentum zu ringen haben und Sorge tragen müssen, den fast aussichtslosen Kampf, den viele in ungünstigen sozialen Verhältnissen um ihr Menschentum führen, wieder zu einem aussichtsvollen zu gestalten.
Aus dem Denken kommender, vertiefter ethischer Fortschrittswille wird uns also aus der Unkultur und ihrem Elend zur wahren Kultur zurückführen. Früher oder später muss die wahre endgültige Renaissance anbrechen, die der Welt den Frieden bringt.

“Das gute Beispiel ist nicht nur eine Möglichkeit, andere Menschen zu beeinflussen. Es ist die einzige.” – Albert Schweitzer

Geschrieben von mein Mitbewohner am 4. November 2013
Abgelegt unter mein Mitbewohner | Keine Kommentare