Monatsarchiv für Januar 2015

Du suchst im Moment im Archiv von Ich und mein Mitbewohner.

Out of this world

Die meisten Menschen denken fast ununterbrochen. Sie sind vom Strom ihrer Gedanken geradezu mitgerissen. Diese Gedanken rennen sprichwörtlich in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit von Gedanke zu Gedanke. Oder schlimmer noch: sie drehen sich im Kreis. Die Anziehungskraft der Gedanken erfordert meist einen großen Teil der Aufmerksamkeit, so dass die Aufmerksamkeit weg von der momentanen Umgebung und dem tatsächlichen Erleben hin zum Thema der jeweiligen Gedanken ist. Diese Gedanken können Erinnerungen an etwas tatsächlich Erlebtes oder Gehörtes sein oder sie können Szenarien der Zukunft sein, die sich der Verstand wild ausmalt. Oft hängen diese Gedanken mit Angst zusammen, das heißt wir haben Angst in irgendeiner Form davor, das sich etwas wiederholt oder dass etwas wie befürchtet (ausgemalt) eintreten wird. Beides ist aber nicht die Realität. Das Hier und Jetzt sind die Realität. Aber das nehmen wir meist nur nebenbei wahr. Oft fällt uns vieles gar nicht auf, was so um uns herum passiert, weil wir in unseren Gedanken ganz anderso oder anderswann sind. Das ist ähnlich wie wenn wir träumen; in einem Traum sind wir auch irgendwo oder -wann – sei es etwas was wirklich passiert ist oder eine Erfindung unseres Geistes. Doch während wir im Traum sind, wissen wir meistens nicht, dass wir gerade dabei sind zu träumen. Ebenso wissen wir, wenn wir in Gedanken sind meist nicht, dass wir gerade nur unserem Gedankenstrom folgen (meistens ganz unfreiwillig, aber anscheinend unausweichlich). Es gibt viele Momente in denen der Gedankenstrom für kurz oder länger abreißt und wir so unsere gesamte Aufmerksamkeit bei dem haben, was wir in dem Moment erleben/erfahren. Das sind wundervolle Momente, in denen wir keine Probleme haben, uns keine Sorgen machen und auch keinerlei Angst vor irgendetwas haben. Oft halten diese Momente aber nicht lange an und wir fallen schnell wieder in den Gedankenstrom hinein – oder besser: werden hineingezogen. Diese Momente sind es, die wir unbewusst herbeisehnen, weil wir uns in ihnen unvergleichlich lebendig fühlen. Deshalb versuchen wir einen großen Teil unserer Lebenszeit, diesen Zustand wieder zu erreichen. Das kann sein ein besonderer Erfolg, eine besondere Beschäftigung, Musik, besondere Menschen oder auch der Zustand in den uns Drogenkonsum bringen kann. Jeder Mensch hat eigene Präferenzen und lebt sie dementsprechend aus. Meistens wissen wir gar nicht genau was das ist oder versuchen gar nicht es zu erklären oder zu verstehen. Wir wissen nur was sich “gut anfühlt” und versuchen es wieder zu erleben. Im Laufe der Zeit, verlieren diese Methoden aber ihren Wirkungsgrad und so muss entweder die Quantität erhöht werden oder eine neue Methode gefunden werden um wieder den Zustand des sich-lebendig-fühlens zu erreichen. Und das ist nichts anderes als den Gedankenstrom abreißen zu lassen und ganz mit dem Moment eins zu werden.

Jedoch, so lange das nur unbewusst mit Hilfe einer Methode möglich ist, ist nie eine Unabhängigkeit zu erreichen. In manchen Fällen leiden wir darunter, dass wir keine Methode finden können, in anderen darunter, dass eine bekannte Methode nicht mehr die gewünschte Wirkung entfaltet. In beiden Fällen jedoch sind wir von äußeren Umständen abhängig. Die wahre Befreiung davon findet dann statt, wenn wir gelernt haben, wie wir den Gedankenstrom selbstständig enden lassen – unabhängig von äußeren Faktoren. Aber auch wenn wir Methoden gefunden haben, dass zu erreichen, schaltet er sich von äußeren oder inneren Impulsen gereizt regelmäßig wieder ein und reißt uns mit. Das merken wir immer dann, wenn wir uns unwohl fühlen. Aber wie beim Träumen wissen wir währenddessen nicht, das wir im Strom stecken. Wenn wir dann aufwachen, wissen wir dass es nur ein Traum war; aber sowohl der Traum als auch die Gedanken haben die enorme Kraft viele und wilde Gefühle in uns auszulösen. Auch wenn der Traum vorbei ist, halten die Gefühle oder deren Schatten noch weiter an. Ebenso kann das bei Gedanken sein. Wenn wir es also schaffen, uns selbstständig aus dem Gedankenstrom zu befreien, ist es wie wenn wir aus dem Schlaf erwachen und nun nicht mehr träumen, sondern die Welt so wahrnehmen können wie sie ist. Daher auch der häufige Vergleich mit dem “Erwachen”.

 

 

“Give up waiting as a state of mind. When you catch yourself slipping into waiting… snap out of it. Come into the present moment. Just be and enjoy being.”  - Eckhart Tolle

Geschrieben von mein Mitbewohner am 28. Januar 2015
Abgelegt unter mein Mitbewohner | Keine Kommentare

Be here now

Wenn der Verstand versucht sich Reinkarnation oder Karma vorzustellen, das heißt zu verstehen, bleibt er bei einer mystischen Erklärung, die einerseits etwa Glaubenssache ist oder andererseits nicht realistisch, da wissenschaftlich noch nicht zu erklären. Da der Verstand nur mit hilfe des Modells der Zeit existieren kann, kann er nur greifen was im Rahmen von Zeit geschieht. In diesem Rahmen versucht er sich Reinkarnation vorzustellen und erklärt sie sich folgendermaßen: der Mensch hat eine Seele (= der nichtstoffliche Teil des Wesens). Diese Seele bewohnt sozusagen den Körper so lange er existiert. Wenn der Körper endet, lebt die Seele weiter, da sie unsterblich ist (= ohne Zeit existiert). Diese Seele kommt dann bei der Geburt (oder Empfängnis… wann eigentlich genau?) in einen neuen Körper. Da die Seele “in einem anderen Leben” schon Erfahrungen gemacht hat, haben diese Erfahrungen Einfluss auf das jetzige Leben. Das wird auch Karma genannt. Jetzt versucht der Verstand wieder (wie immer), sich ein Konzept zu erstellen um seine Umwelt begreifbar zu machen. Dies ist ihm nur möglich, indem er Dinge bewertet, ihnen sozusagen Etiketten aufklebt. So kann er Dinge getrennt von ihrer Umwelt kategorisieren. Und diese dann sogar in besser oder schlechter unterordnen. Also gibt es auch bessere Taten und schlechtere. Da die Seele beide erfahren hat (oder verursacht?), haben alle vorangegangen Taten auch Auswirkungen auf die Gegenwart und somit die Zukunft.
Was der Verstand nicht verstehen kann, sind Dinge die außerhalb der Zeit stattfinden. Nehmen wir mal an, die Zeit existiert nicht. Sie sei nur ein Modell, mit dem der Verstand versucht, sich die Welt zu erklären. Immerhin sieht es auch stark danach aus, dass es eine Vergangenheit gibt – zumindest aus der Perspektive des Verstandes. Schließlich kann er – und nur er – sich daran erinnern, was war. Und ebeson kann er – und nur er – versuchen sich vorzustellen, was noch kommen wird. Aber beides findet nur im Verstand statt. Ohne den Verstand gibt es keine Vergangenheit und keine Zukunft; es ist immer jetzt.
Wenn wir uns Reinkarnation oder Karma also ohne das Modell (oder der Illusion) der Zeit vorstellen wollen, müssten wir uns vorstellen, dass die Seele nicht “wandert” sondern ist. Sie ist jetzt, genauso wie sie gestern war, genauso wie sie vor 100 Jahren war. Es ist dann ein und dieselbe Seele. Es gibt nicht 7 Milliarden verschiedene Seelen. Sonst könnte man sich auch die Frage stellen, wo die zusätzlichen Seelen herkommen, wenn es mehr Menschen gibt. Oder wie viele Seelen es in Tieren gibt. Oder ab welchem Lebewesen eine Seele zu finden ist. Aber niemand wird bezweifeln, dass es etwas nichtstoffliches in ihm gibt. Seien es in erster Linie vielleicht nur Gedanken oder Gefühle. Wobei beide die Kraft haben, die stoffliche Welt zu manipulieren oder beeinflussen. (Mein Geist/Seele/Verstand entscheidet sich, den Arm zu heben und es passiert). Dann ist da noch Frage nach: wer entscheidet? Dieses “Ich” ist wissenschaftlich nicht messbar oder erklärbar. Meistens identifiziert sich dieses “Ich” mit dem Körper. Aber der Körper ändert sich ständig. Die Atome aus denen er auch besteht, werden ständig ausgewechselt und verändert. Auch wird der Körper ständig verändert, manche Änderungen passieren schnell, andere brauchen viele Jahre. Wenn “ich” mein Körper bin, bin ich dann auch noch ganz ich, wenn mir ein Finger abhanden kommt? Wenn ich sage, ja klar, die Atome verändern sich, weil ich Nahrung zu mir nehme, dann wird ein Teil der Nahrung zu mir. Aber ab welchem Moment ist das so? Sobald ich die Nahrung anfasse, sobald sie in meinem Mund ist, sobald sie in meinem Magen ist, sobald sie in meinem Blut ist? Mein Blut ist ein Teil von “mir”, aber wie lange genau? Wenn ich mich schneide und Blut verliere, ist das dann immer noch “ich”; wenn Ich Blut von jemand anderem bekomme, ist das dann ich; oder wird es irgendwann ich?

Das einzige was mit Sicherheit ich ist, ist das Ich, dass alles wahr nimmt oder erfährt. Wenn ich Honig esse, sind es zwar meine (körperlichen) Nervern, die das Signal “süß” ans Nervensystem übermitteln, aber die Erfahrung was “süß” ist beziehungsweise wie sich “süß” anfühlt, machen nicht die Nervern, sondern ich. Dieses “erleben” hast Du genau so wie ich. Ob es gefällt, dass heißt gut oder schlecht ist, hängt von der Interpretation des Verstandes ab. Dahinter ist aber immer die Erfahrung. So kann ich auch sagen, Reinkarnation ist nicht buchstäblich wieder ein neues Leben beginnen. Das Leben ist zeitlos, es ist immer. Meine Lebenssituation als menschlicher Körper ist zeitlich begrenzt. Der Verstand weiß, dass der Körper einmal nicht existierte und dass er einmal nicht mehr existieren wird. Aber wenn der Verstand still ist, ist auch die Vergangenheit und die Zukunft still/weg. Es ist dann jetzt. Und wir sind trotzdem noch da. Wenn ich meinem Verstand zuhöre, kann der mich an ein vergangenes Erlebnis erinnern. Ich bin dann sozusagen weniger im hier und jetzt, sondern in der Vergangenheit. Wenn ich mich an etwas “schlechtes” erinnere, durchlebe ich die Erinnerungen erneut und mit ihr einher kommen auch die Gefühle erneut. Somit könnte ich sagen, ich erlebe die Vergangenheit nochmal. Also reinkarniere ich etwas Vergangenes im jetzt. Genauso wenn ich mich an etwas erinnere, was ich getan habe, kann sich das gut oder schlecht anfühlen. Wenn ich mich an etwas erinnere, was ich jemandem angetan habe, sprich: ich Leiden verursacht habe, fühle ich mich jetzt schlecht. Dadurch verhalte ich mich jetzt anders als wenn ich nicht daran gedacht hätte. Somit hat eine vergangene “schlechte” Tat Auswirkungen auf die Gegenwart/Ewigkeit. Der Zuschauer erlebt sozusagen “sein Leben”. Aber wenn dieser Körper nicht mehr existiert, erlebt der Zuschauer von diesem Körper keine Erfahrungen mehr. Aber der Zuschauer existiert zeitlos weiter (ewig). Der Zuschauer erlebt Deine Erfahrungen und meine. Er erlebt auch alle anderen Erfahrungen. Er bewertet die Erfahrungen nicht. Er ist nur Zuschauer für alles was passiert. Es gibt auch nicht mehrere Zuschauer = Seelen. Es gibt nur eins.

 

“Suffering needs time. It cannot survive in the Now.” – Eckhart Tolle


“Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang derUnzufriedenheit.” - Søren Kierkegaard

Geschrieben von mein Mitbewohner am 21. Januar 2015
Abgelegt unter mein Mitbewohner | Keine Kommentare