Out of this world

Die meisten Menschen denken fast ununterbrochen. Sie sind vom Strom ihrer Gedanken geradezu mitgerissen. Diese Gedanken rennen sprichwörtlich in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit von Gedanke zu Gedanke. Oder schlimmer noch: sie drehen sich im Kreis. Die Anziehungskraft der Gedanken erfordert meist einen großen Teil der Aufmerksamkeit, so dass die Aufmerksamkeit weg von der momentanen Umgebung und dem tatsächlichen Erleben hin zum Thema der jeweiligen Gedanken ist. Diese Gedanken können Erinnerungen an etwas tatsächlich Erlebtes oder Gehörtes sein oder sie können Szenarien der Zukunft sein, die sich der Verstand wild ausmalt. Oft hängen diese Gedanken mit Angst zusammen, das heißt wir haben Angst in irgendeiner Form davor, das sich etwas wiederholt oder dass etwas wie befürchtet (ausgemalt) eintreten wird. Beides ist aber nicht die Realität. Das Hier und Jetzt sind die Realität. Aber das nehmen wir meist nur nebenbei wahr. Oft fällt uns vieles gar nicht auf, was so um uns herum passiert, weil wir in unseren Gedanken ganz anderso oder anderswann sind. Das ist ähnlich wie wenn wir träumen; in einem Traum sind wir auch irgendwo oder -wann – sei es etwas was wirklich passiert ist oder eine Erfindung unseres Geistes. Doch während wir im Traum sind, wissen wir meistens nicht, dass wir gerade dabei sind zu träumen. Ebenso wissen wir, wenn wir in Gedanken sind meist nicht, dass wir gerade nur unserem Gedankenstrom folgen (meistens ganz unfreiwillig, aber anscheinend unausweichlich). Es gibt viele Momente in denen der Gedankenstrom für kurz oder länger abreißt und wir so unsere gesamte Aufmerksamkeit bei dem haben, was wir in dem Moment erleben/erfahren. Das sind wundervolle Momente, in denen wir keine Probleme haben, uns keine Sorgen machen und auch keinerlei Angst vor irgendetwas haben. Oft halten diese Momente aber nicht lange an und wir fallen schnell wieder in den Gedankenstrom hinein – oder besser: werden hineingezogen. Diese Momente sind es, die wir unbewusst herbeisehnen, weil wir uns in ihnen unvergleichlich lebendig fühlen. Deshalb versuchen wir einen großen Teil unserer Lebenszeit, diesen Zustand wieder zu erreichen. Das kann sein ein besonderer Erfolg, eine besondere Beschäftigung, Musik, besondere Menschen oder auch der Zustand in den uns Drogenkonsum bringen kann. Jeder Mensch hat eigene Präferenzen und lebt sie dementsprechend aus. Meistens wissen wir gar nicht genau was das ist oder versuchen gar nicht es zu erklären oder zu verstehen. Wir wissen nur was sich “gut anfühlt” und versuchen es wieder zu erleben. Im Laufe der Zeit, verlieren diese Methoden aber ihren Wirkungsgrad und so muss entweder die Quantität erhöht werden oder eine neue Methode gefunden werden um wieder den Zustand des sich-lebendig-fühlens zu erreichen. Und das ist nichts anderes als den Gedankenstrom abreißen zu lassen und ganz mit dem Moment eins zu werden.

Jedoch, so lange das nur unbewusst mit Hilfe einer Methode möglich ist, ist nie eine Unabhängigkeit zu erreichen. In manchen Fällen leiden wir darunter, dass wir keine Methode finden können, in anderen darunter, dass eine bekannte Methode nicht mehr die gewünschte Wirkung entfaltet. In beiden Fällen jedoch sind wir von äußeren Umständen abhängig. Die wahre Befreiung davon findet dann statt, wenn wir gelernt haben, wie wir den Gedankenstrom selbstständig enden lassen – unabhängig von äußeren Faktoren. Aber auch wenn wir Methoden gefunden haben, dass zu erreichen, schaltet er sich von äußeren oder inneren Impulsen gereizt regelmäßig wieder ein und reißt uns mit. Das merken wir immer dann, wenn wir uns unwohl fühlen. Aber wie beim Träumen wissen wir währenddessen nicht, das wir im Strom stecken. Wenn wir dann aufwachen, wissen wir dass es nur ein Traum war; aber sowohl der Traum als auch die Gedanken haben die enorme Kraft viele und wilde Gefühle in uns auszulösen. Auch wenn der Traum vorbei ist, halten die Gefühle oder deren Schatten noch weiter an. Ebenso kann das bei Gedanken sein. Wenn wir es also schaffen, uns selbstständig aus dem Gedankenstrom zu befreien, ist es wie wenn wir aus dem Schlaf erwachen und nun nicht mehr träumen, sondern die Welt so wahrnehmen können wie sie ist. Daher auch der häufige Vergleich mit dem “Erwachen”.

 

 

“Give up waiting as a state of mind. When you catch yourself slipping into waiting… snap out of it. Come into the present moment. Just be and enjoy being.”  - Eckhart Tolle

mein Mitbewohner 28. Januar 2015 mein Mitbewohner Keine Kommentare Trackback URL

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