Wer bin ich, wenn ich schlafe und nicht träume?

Erfahrung. Nicht in der meistens verwendeten Bedeutung von Dingen die wir erlebt oder gelernt haben. Erfahrung als das Erleben aller Sinneswahrnehmungen, Gedanken und Gefühle. Ich erfahre jetzt was ich sehe, was ich fühle, was ich höre und so weiter. Dieses Erfahren findet immer nur jetzt statt. Um etwas zu erfahren ist ein Bewusstsein die Voraussetzung. Das Bewusstsein ist die letzte ‘innerliche’ Leinwand auf der alles von außen ankommt. Jeder Lichtreiz hat einen Ursprung in der Lichtquelle von der aus es sich in alle Richtungen ausbreitet. Wo es auf etwas Materielles trifft, wird es teilweise reflektiert. Dieses reflektierte Licht breitet sich wieder in alle Richtungen aus. Schließlich kann es zum Beispiel im Auge eines Betrachters ankommen. Von dort aus wird es in andere Signale umgewandelt und weiterverarbeitet. Aber letzten Endes kommt es im Bewusstsein an. Eine Schallquelle breitet sich auch aus, wird eventuell reflektiert, erreicht vielleicht ein Hörorgan und wird weiterverarbeitet. Schließlich erreicht es das Bewusstsein – es wird erfahren. Genauso beim Geschmack. Etwas wird gegessen, die Sinnorgane (Zunge und ähnliche) interpretieren ihre Wahrnehmungen und leiten sie weiter. Sie werden weiter verarbeitet und kommen schließlich im Bewusstsein an. Aber bei allen Wahrnehmungen wird am Ende immer die letzte Grenze überschritten: die zwischen der materiellen Welt und dem Bewusstsein. Hier möchte ich stark diesen Artikel empfehlen. Auch sehr interessant ist der darin enthaltene Hinweis auf das sogenannte ‘Bieri-Trilemma‘. Das ist zwar alles viel zum Lesen und viele Menschen neigen oft dazu lange Texte, verschachtelte oder mit vielen unbekannten Worten gebaute Sätze nicht zu lesen und von vornherein gar nicht erst zu versuchen, sie zu verstehen. Sie sind abgeschreckt durch eine scheinbare Schwierigkeit. Ähnlich ist das mit dem Verständnis von Wirtschaft und deren Zusammenhängen. Das gleiche wird auch in anderen Gebieten versucht (“Wenn Sie mich verstanden haben, dann habe ich mich nicht kompliziert genug ausgedrückt”). Mit Absicht und Erfolg. Lasst Euch nicht abschrecken. Versucht es einfach Stück für Stück. Mit der Übung kommt das Verständnis.

Aber zurück zum Thema. Das Bewusstsein ist das Ende. Es geht nicht weiter. Alles kommt hier an. Als menschliches Wesen neigt die Welt dazu so auszusehen, als geschähe alles Außerhalb von uns. Die Sonne geht auf und unter (oder die Erde dreht sich, aber das sieht aus menschlicher Perspektive eben auch anders aus), andere Menschen tun verschiedenste Dinge, das Wetter ändert sich. Aber im Endeffekt sind das alles Wahrnehmungen, die in unserem Inneren statt finden. Das Licht der Objekte (das von ihnen reflektiert wurde) ‘bewegt’ sich durch den Raum und trifft schließlich auf die Augen. Es sind nicht die Augen die so weit sehen. Die Augen bleiben wo sie sind, sie nehmen nur auf, was zu ihnen kommt. Ebenso die Ohren. Aber das Gehirn interpretiert natürlich alles so, dass es sich ein Bild von der Außenwelt erstellt, damit wir uns besser darin zurecht finden können. Aber im Endeffekt ist es nur ein Abbild, eine Kopie der ‘echten’ Welt.

Ähnlich dem Erleben der Sinneswahrnehmungen sind die Gedanken. Die Gedanken werden vom Gehirn verursacht. Ein Teil des Gehirns lernt ein paar Jahre nach der Geburt die jeweilige Sprache. Diese Sprache bildet dann die Basis der Gedanken. Die Gedanken sind vorher noch nicht da. Und es gibt auch Zeiten oder Momente in der Existenz eines Menschen (weitläufig fälschlicherweise ‘im Leben’ genannt ,-) in denen die Gedanken nicht da sind. In denen Stille im Kopf ist. Dennoch existieren wir weiter. Wir nehmen auch weiter unsere Umwelt wahr. Wir erfahren weiter. Das Bewusstsein bleibt. Sobald die Gedanken wieder kommen (meist sehr schnell, und oft auch sehr penetrant), schieben sie sich sozusagen zwischen die Sinneswahrnehmungen (=die Außenwelt) und das Bewusstsein. Zu Zeiten kommentieren sie die Außenwelt, zu Zeiten beschäftigen sie sich mit der Vergangenheit, zu anderen Zeiten mit einer möglichen Zukunft. Die Gedanken über die Vergangenheit oder die Zukunft sind meistens nicht im Hier. Sie ziehen uns sozusagen woanders hin. Ich bin in Gedanken im Urlaub oder am Wochenende oder mit anderen Menschen. Aber in Wirklichkeit ist mein Körper noch im Hier und Jetzt. Die Kommentare über die Außenwelt sind zwar im Hier und Jetzt, aber entweder nicht für lange oder meist nicht sehr hilfreich sondern eher verurteilend. Wenn keine Gedanken da sind, nimmt das Bewusstsein nur auf, was in der unmittelbaren Realität statt findet. Unkommentiert, unbewertet, unverzögert.

Jedoch wenn Gedanken da sind, lösen sie meistens auch Gefühle aus. Schöne Gefühle bei guten Gedanken, unschöne Gefühle bei schlechten. Das kannst Du einfach mal auch selbst ausprobieren und ein bisschen damit spielen. Zum Beispiel darauf achten, ob Gedanken da sind, wenn Du Musik hörst. Oder wenn Du Dich nicht gut fühlst (warum auch immer) einmal bewusst darauf achten, worüber Du eben nachgedacht hast. Natürlich sind ohne Gedanken Sprache und auch solche Texte wie diese nicht verständlich. Gedanken habe ihren Nutzen. Aber wenn sie ungehindert selbst umherrennen und willkürlich Gefühle auslösen, können sie schädlich sein. Umgekehrt, wenn das Bewusstsein ohne den Gedankenfilter die Realität wahr nimmt, kann nichts schädliches passieren. Die Dinge sind dann so wie sie sind. Die Gedanken können aber eine Unausgeglichenheit und damit Unruhe auslösen, in dem sie die Dinge nicht so akzeptieren wollen wie sie sind. Beispielsweise wenn es regnet. Die Gedanken können sich darüber beschweren und ärgerliche Gefühle auslösen, weil sie nicht wollen, dass es jetzt hier regnet. Aber, dass es regnet können sie nicht ändern. Wenn also einer die Fähigkeit besitzt, seine Gedanken zu kontrollieren – oder besser: zu kontrollieren ob sie da sind oder nicht, hätte er in diesem Moment die Möglichkeit, die Gedanken durch Stille zu ersetzen und somit keine ärgerlichen Gefühle wegen des Regens zu bekommen. Wenn er dann gerne über etwas sinnvolles nachdenken würde, kann er ja das dann tun. Oder nicht. Wie er will. Nicht wie seine Gedanken wollen. “Der Verstand ist ein wunderbarer Diener, aber ein miserabler Herrscher”.

Gedanken können auch Bilder sein. Oder Bilder oder Filme können Gedanken auslösen. Oder Gefühle können Gedanken auslösen. Aber egal was im Hier und Jetzt passiert, alles kommt schließlich nur im Bewusstsein an. Es ist fast egal, was in der Außenwelt passiert. Wichtig ist, wie wir mit unseren Gedanken und Gefühlen umgehen. Denn schließlich geht es nur ums Bewusstsein. Es geht um Dich.

“Ein flüchtiges Gefühl von Liebe und Freude oder kurze Momente tiefen Friedens sind möglich, wann immer eine Unterbrechung im Gedankenstrom entsteht. Für die meisten Menschen geschehen diese Unterbrechungen selten und nur zufällig in Momenten, wo der Verstand «sprachlos» ist, manchmal hervorgerufen durch immense Schönheit, außerordentliche körperliche Anstrengung oder sogar durch große Gefahr.” – Eckhart Tolle

mein Mitbewohner 21. März 2015 mein Mitbewohner Keine Kommentare Trackback URL

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