Monatsarchiv für April 2015

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Reinhard Mey – Sei wachsam (live)

 

“Ich suche nicht – ich finde
Suchen – das ist Ausgehen von alten Beständen und ein Finden-Wollen
von bereits Bekanntem im Neuem
Finden – das ist das völlig Neue!
Das Neue auch in der Bewegung. Alle Wege sind offen und was
gefunden wird, ist unbekannt.
Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer! Die Ungewissheit solcher
Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die sich im
Ungeborgenen geborgen wissen, die in die Ungewissheit, in die
Führerlosigkeit geführt werden, die sich im Dunkeln einem
unsichtbaren Stern überlassen, die sich vom Ziele ziehen lassen und
nicht – menschlich beschränkt und eingeengt – das Ziel bestimmen.
Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Aussen und Innen: Das ist
das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des
Loslassens doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer
Möglichkeiten erfährt.” – Pablo Picasso

Geschrieben von mein Mitbewohner am 29. April 2015
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faith [feɪθ] Vertrauen, Glauben

Im Englischen hat ‘faith’ eine andere Bedeutung als das deutsche Wort Glauben. Die zusätzliche Bedeutung lautet Vertrauen. So bedeutet es für eine englisch-sprechende Person, wenn sie sagt sie habe ‘faith’ nicht nur der Glaube sondern ein wahres Vertrauen in etwas oder Jemanden. Im Deutschen wird hier unterschieden. Wenn ich sage, ich glaube an etwas, dann hat das den Beigeschmack von ‘ich suche mir das aus und dann ist es meine Meinung, dass das so ist’. Während wir auch nicht oder seltener sagen würden wir haben Vertrauen an Gott oder eine Religion oder ein Weltbild. Jedoch gibt es zwei unterschiedliche Arten Glaubender. Es gibt die Glaubenden, die glauben aus Tradition oder Erziehung. Hier würde ich sogar sagen, dass Glauben eher seine eigentliche deutsche Bedeutung hat (ebenso bei nicht-gläubigen, kritischen Personen). Dann gibt es die Glaubenden aus eigener Überzeugung oder durch eigene Erfahrung. Bei ihnen ist der Glaube so tief, dass eher von Vertrauen – ja, sogar Wissen – gesprochen werden kann.

Ich glaube, dass jedes Lebewesen glücklich sein kann. Ich glaube, dass jedes Tier von Natur aus glücklich ist. Ich glaube, dass jeder Mensch glücklich sein kann. Ich glaube, dass jeder Mensch von Natur aus glücklich ist. Ich glaube, dass im Laufe der ersten Zeit eines Menschen auf der Erde, ihm etwas ‘passiert’, dass ihn lernen lässt, unzufrieden zu sein. Es ist etwas, dass sich zwischen sein Zufrieden sein und seine persönliche Wahrnehmung stellt.

Es gibt einen Menschen, der viel Geld besitzt, und glücklich ist. Es gibt einen Menschen, der nichts hat und unter freiem Himmel lebt, der glücklich ist. Es gibt einen Menschen, der im Gefängnis ist und glücklich ist. Es gibt einen Menschen, der gesund ist und glücklich ist. Es gibt einen Menschen, der eine schwere Krankheit hat und glücklich ist. Es gibt einen sehr alten Menschen, der nicht mehr viel machen kann, der glücklich ist. Es gibt einen Menschen, der weiß, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hat und glücklich ist. Es gibt einen Menschen der gerade gestorben ist, und ein Lächeln auf dem Gesicht hat. Es gibt einen Menschen, der Hunger hat und glücklich ist. Es gibt einen Menschen, der blind ist und glücklich ist. Es gibt einen Menschen, der seinen Körper nicht benutzen kann und glücklich ist. Es gibt einen Menschen, der seinen Verstand nicht benutzen kann und glücklich ist.

Es gibt bei uns in unserer Zivilisation viele prägende Bilder, die unser Gehirn dazu veranlassen zu glauben, welche Dinge uns glücklich, ja sogar welche Dinge uns unglücklich machen können. Du kannst das ganz einfach kurz mal ausprobieren in dem Du Dir vorstellst, was Du gerne hättest, was Dich glücklich machen würde. Und genau so kannst Du Dir mal vorstellen, was Dir passieren könnte, womit Du ünglücklich sein würdest. Beides ist eine Illusion der Dein Gehirn unterliegt. Diese Täuschung – oder besser: Vortäuschung einer falschen Realität (=die es nicht gibt, sondern sich nur in Deinen Gedanken abspielt wie ein Traum) ist es, was uns als Kindern beigebracht wird. Kleinste Kinder sind glücklich. Sie haben keine Gedanken von Dingen, die sie glücklich oder unglücklich machen können. Sie sind im Hier und Jetzt. Ebenso bei Tieren. Hunde stellen sich nie vor, was wohl in Zukunft passieren wird, was sie glücklich oder unglücklich macht. Sie vergleichen nicht.

“Könnte der gewöhnliche Mensch, wenn er im Sterben liegt, nur die fünf Elemente des Bewusstseins als leer erkennen und ganz erfassen, dass die vier physischen Elemente nicht ein “Ich” bilden, dass der wahre Geist ohne Form ist und weder kommt noch geht, dass sein Wesen weder mit der Geburt beginnt noch mit dem Tod vergeht, sondern ganzheitlich und unbeweglich in seinen Tiefen ist, und dass der Geist eins ist mit den Erscheinungen der Umwelt, dann würde er blitzartig Erleuchtung erlangen. Er würde nicht mehr in die dreifahce Welt vertrickt sein. Er würde die Welt übersteigen und nicht mehr die geringste Neigung zur Wiedergeburt besitzen. Würde er den herrlichen Anblick aller Buddhas wahrnehmen, die, von den prächtigsten Manifestationen umgeben, zu seiner Begrüßung erschienen, so würde er doch nicht den Wunsch haben, sich ihnen zu nahen. Würde er alle Arten schrecklicher Gestalten um sich gewahren, so würde er doch keinen Schrecken empfinden. Er würde einfach er selbst sein, ohne jeden begrifflichen Gedanken und eins mit dem Absoluten. Er hätte den Zustand des unbedingten Seins erlangt. Dies ist das grundlegende Prinzip.” – Huangbo Xiyun

Geschrieben von mein Mitbewohner am 11. April 2015
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