Monatsarchiv für September 2015

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Haben oder sein?

Alles was wir haben können, werden wir verlieren. Alles was wir sind ist für die Ewigkeit. Ewig ist kein sehr langer Zeitraum, sondern etwas ohne Anfang und ohne Ende, dass unabhängig von der Zeit existiert. Oder besser gesagt: es existiert keine Zeit. Die meisten Menschen haben das noch nicht erkannt. Sie identifizieren sich ausschließlich mit ihren Gedanken. Und diese Gedanken reden ihnen ein, dass sie ihr Körper und ihre Gedanken seien, aber dem ist nicht so. Tatsächlich haben sie Gedanken und sie haben einen Körper. Aber beides werden sie unweigerlich verlieren. Oft hört man, “sein Leben verlieren”; das würde bedeuten, dass man ein Leben hat. Was hiermit eigentlich gemeint ist: man hat eine Lebenssituation. Die kann man auch verlieren. Aber was man tatsächlich ist, kann man nicht verlieren. Wir sind Leben. Aber eben Leben aus der Perspektive einer Person. Mit ihren Sinneswahrnehmungen und sekundär mit ihren Gedanken. Auch all das wird man verlieren. Ebenso wie Status, Beruf, Besitz, Geld, Gesundheit, Jugend, Aussehen, Freunde und vieles mehr. Wer also viel seiner Aufmerksamkeit in etwas ‘investiert’ was er haben will, wird es trotzdem endlich verlieren. Wer jetzt traurig ist oder Angst verspürt, kann genau erkennen woran er festhält bzw. anhaftet. Und dieses Festhalten ist es, was dazu führen wird, dass wir schließlich leiden werden, sobald wir es nicht mehr halten können. Wer aber schon vorher bereit ist, es zu gegebener Zeit los zu lassen – und die Zeit ist immer jetzt – , wird nicht mehr leiden. Das heißt nicht, dass man alles loslassen muss. Ich kann meine Wohnung genießen, so lange ich in ihr lebe. Ich kann auch meine Freunde oder irgendwelche Gegenstände genießen, so lange ich ihnen meine Aufmerksamkeit zukommen lasse. Aber wenn das nicht mehr möglich sein sollte, dann leide ich nicht darunter. Die wesentliche Aufgabe während der Lebensspanne unserer Körper (nicht uns!) ist es, alles was wir haben können in dem Maße zu verfolgen, das genug ist. Die Schwierigkeit darin besteht nur, heraus zu finden, wie viel “genug” ist. Wenn wir in vielen Ebenen unserer Existenz “genug haben”, können wir uns mit den wesentlichen, wichtigen Dingen beschäftigen, das heißt ihnen Energie zu widmen. Denn wir sind, während wir hier sind, genau wie alles andere was existiert, sozusagen Verteiler von Energie. Alles was existiert, ist Energie in irgendeiner Form. Und wenn wir uns entscheiden unsere Aufmerksamkeit irgendetwas zu widmen, das heißt uns auf etwas zu fokussieren, dann bedeutet das, dass wir Energie dort hinein stecken. In welcher Form auch immer. Wenn ich unentwegt damit beschäftigt bin, etwas hinterher zu laufen, was ich haben kann, weil ich immer mehr davon haben will, weil ich Sorge habe, sonst zu wenig zu haben, dann habe ich keine Energie mehr übrig um sie auf das wesentliche zu fokussieren. Deshalb ist es wichtig, bei allem was wir haben können, den Mittelweg zu finden, das Maß zu finden wie viel “genug” ist. Wenn ich das jetzt nicht tue, dann renne ich etwas hinterher wie ein Hase einer Karotte die ihm so festgemacht wurde, dass er sie immer vor sich sieht, sie aber nie erreichen kann.

 

Ich bin nicht mein Name. Ich bin nicht mein Körper. Ich bin nicht meine Gedanken. Ich bin nicht meine Gefühle.

Ich habe einen Namen. Ich habe einen Körper. Ich habe Gedanken. Ich habe Gefühle. Ich habe einen Beruf. Aber ich bin derjenige, der alles erlebt. Auch ohne Namen erlebe ich. Auch ohne Gedanken erlebe ich. Auch ohne Beruf erlebe ich. Auch ohne Gefühle erlebe ich. Auch ohne Körper erlebe ich.

Wer Schwierigkeiten mit irgendetwas davon (oder anderem) hat, weiß genau woran er anhaftet/festhält. Egal was es ist, Du wirst es verlieren. Aber es ist Deine Entscheidung ob Du darunter leiden wirst oder nicht. Genauso wenn Du etwas in der Vergangenheit verloren hast, ist es Deine Entscheidung ob Du immer noch versuchst, daran festzuhalten (auch wenn es sinnfrei ist) oder ob Du es loslassen kannst. Dann wirst Du nicht mehr darunter leiden.

Ich bin jetzt.

Alles was vergangen ist, existiert nur in meinen Gedanken. Alles was kommen wird, existiert nur in meinen Gedanken. Alles was ist, ist jetzt.

Alles was jetzt ist, bin ich.

 

“Wer sagt, sich Sorgen zu machen nützt nichts, hat Unrecht. Jedes mal wenn ich mir Sorgen um etwas mache, dann passiert es nicht.” – unbekannt

Geschrieben von mein Mitbewohner am 30. September 2015
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Was passiert hier?

Wenn wir nach dem schlafen aufwachen, können wir uns noch relativ gut an unsere Träume erinnern. Je mehr Zeit dann vergeht, desto weniger bleibt noch vom Traum übrig. Meistens erinnern wir uns dann gar nicht mehr an die Träume. Manchmal, wenn wir bewusst versuchen uns an Träume zu erinnern (das funktioniert demnach am besten gleich nach dem aufwachen), fallen uns wieder mehr Details ein. Besonders wenn es ein sehr positiver oder negativer Traum war. Wobei es auch sein kann, dass das mit anderen Faktoren zusammen hängt, denn: woher wissen wir an welche Träume wir uns nicht erinnern? Jedenfalls die an die wir uns gut erinnern, beschäftigen uns mehr oder weniger stark und lang. Wenn wir dann sogar mit anderen darüber sprechen oder aufschreiben, bleibt die Erinnerung besser erhalten.

Wie jeder bestimmt schon einmal erlebt hat, lösen Träume auch Emotionen aus. Wenn wir im Traum etwas erleben, dass uns Angst macht, dann spüren wir die Angst wie im “echten” Leben. Wenn wir eine Situation im Traum erleben, wissen wir nicht, dass wir träumen – bis wir aufwachen. Wenn wir im Traum etwas schönes erleben, löst das auch schöne Emotionen aus. Das bemerkenswerte daran ist, dass die Emotionen auch dann noch anhalten, wenn wir schon wach sind und bereits bemerkt haben, dass wir nur geträumt haben. Sowohl positive wie negative können unsere Stimmung weiter beeinflussen und somit auch unsere Handlungen. Das heißt, dass Träume, die ja nur in unseren Köpfen statt finden und keine Ursache von außen haben (ich lasse jetzt mal die Geräusche und ähnliches weg, die manchmal im Stadium des Wachwerdens-und-noch-Träumens einen Einfluss auf den Traum haben; hier soll es um ein anderes Thema gehen, aber wer will kann sich auch über diesen Zusammenhang Gedanken machen, das ist ganz interessant ,-), Einfluss auf unsere Emotionen haben. Genauso können im “echten” Leben Gedanken Emotionen auslösen. Bei den meisten Menschen sind die Gedanken sogar der Hauptauslöser für Emotionen. Aber das wissen sie ja nicht, weil es sich für sie 100 % echt anfühlt. Sie kennen keinen anderen Zustand. Wer zum Beispiel den Film “Inception” gesehen hat, kann sich das so vorstellen. Die Leute die im Traum sind, wissen nicht, dass es ein Traum ist und glauben, dass das was passiert die Realität ist. Wer ihnen etwas erzählt spricht mit dem Menschen in seiner Realität. Wenn er aufwacht oder wie im Film einen weiteren Traum träumt sozusagen “in” einem Traum ist, der sieht seine Realität dann ganz anders. Das stellt natürlich die Frage, woher weiß ich, dass ich (nicht) träume?

Wenn ich eines Tages aufwachen würde und erkennen würde, dass mein bisheriges Leben ein Traum war, dann würde sich für mich vieles ändern. Wenn ich dann einem anderen Menschen (der wahrscheinlich noch träumt) davon erzählen würde, würde er es wahrscheinlich nicht glauben wollen, weil er ja “wach” und in der Realität (in seiner) ist. Also kann ich ihm wahrscheinlich nicht davon erzählen. Außer er will es von sich aus. Dann kann ich versuchen es zu erklären. Aber ob er dann aufwacht oder nicht, hängt alleine von ihm ab.

Zurück zum Thema träumen. Manchmal gibt es Träume oder Erinnerungen an irgendetwas (Orte, Situationen, Personen, Ereignisse), von denen wir nicht mehr unterscheiden können, ist das wirklich passiert, oder habe ich es nur geträumt? Oder hat mir jemand davon erzählt? Aber egal wie sehr wir uns anstrengen, dass Bild in unseren Gedanken bleibt das gleiche und wird nicht schärfer. So bleiben wir im ungewissen über seinen Ursprung, aber das Bild bleibt uns erhalten. Und in Wirklichkeit ist es auch das gleiche. Sowohl Erzählungen, als auch Träume als auch Erinnerungen sind alle nur Erinnerungen in unseren Köpfen. Es sind sozusagen gespeicherte Dateien in unseren Gehirnen. Und sie haben alle den selben Stellenwert. Erinnerungen bedeuten nicht mehr als Träume oder umgekehrt. Es sind nur elektronische Signale in unseren Gehirnen. Was ich jetzt hier erlebe ist echt. Woran ich mich erinnere, was in der Vergangenheit passiert ist, sind nur Erinnerungen und haben keine andere Realität. Es gibt keinen Ort und keine Zeit an dem sie echt sind. Sie sind nur Gedanken. Aber diese Gedanken können Emotionen auslösen, genau wie Träume es können. Genauso ist die Zukunft nur in Gedanken da. Sie ist nicht echt. Aber die Gedanken daran können Emotionen auslösen. Und diese Emotionen können sehr stark sein (in beide Richtungen). Sie sind meist so vorherrschend, dass sie eigentlich unser ganzes Verhalten beeinflussen. Es gibt selten Momente, in denen wir nur das erleben, was hier und jetzt passiert, was echt ist. Sobald ich wieder in Gedanken in der Vergangenheit oder Zukunft bin, ist es als würde ich träumen. Ich glaube, dass es echt ist und es löst Emotionen aus. Wenn mir dann einer sagen würde: “Das ist nicht real. Das sind nur Gedanken. Du träumst nur.”, dann würde ich ihm nicht glauben wollen, weil es für mich meine Realität ist.

“Who looks outside, dreams; who looks inside, awakes.” ― Carl Gustav Jung

 

Geschrieben von mein Mitbewohner am 19. September 2015
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