Was passiert hier?

Wenn wir nach dem schlafen aufwachen, können wir uns noch relativ gut an unsere Träume erinnern. Je mehr Zeit dann vergeht, desto weniger bleibt noch vom Traum übrig. Meistens erinnern wir uns dann gar nicht mehr an die Träume. Manchmal, wenn wir bewusst versuchen uns an Träume zu erinnern (das funktioniert demnach am besten gleich nach dem aufwachen), fallen uns wieder mehr Details ein. Besonders wenn es ein sehr positiver oder negativer Traum war. Wobei es auch sein kann, dass das mit anderen Faktoren zusammen hängt, denn: woher wissen wir an welche Träume wir uns nicht erinnern? Jedenfalls die an die wir uns gut erinnern, beschäftigen uns mehr oder weniger stark und lang. Wenn wir dann sogar mit anderen darüber sprechen oder aufschreiben, bleibt die Erinnerung besser erhalten.

Wie jeder bestimmt schon einmal erlebt hat, lösen Träume auch Emotionen aus. Wenn wir im Traum etwas erleben, dass uns Angst macht, dann spüren wir die Angst wie im “echten” Leben. Wenn wir eine Situation im Traum erleben, wissen wir nicht, dass wir träumen – bis wir aufwachen. Wenn wir im Traum etwas schönes erleben, löst das auch schöne Emotionen aus. Das bemerkenswerte daran ist, dass die Emotionen auch dann noch anhalten, wenn wir schon wach sind und bereits bemerkt haben, dass wir nur geträumt haben. Sowohl positive wie negative können unsere Stimmung weiter beeinflussen und somit auch unsere Handlungen. Das heißt, dass Träume, die ja nur in unseren Köpfen statt finden und keine Ursache von außen haben (ich lasse jetzt mal die Geräusche und ähnliches weg, die manchmal im Stadium des Wachwerdens-und-noch-Träumens einen Einfluss auf den Traum haben; hier soll es um ein anderes Thema gehen, aber wer will kann sich auch über diesen Zusammenhang Gedanken machen, das ist ganz interessant ,-), Einfluss auf unsere Emotionen haben. Genauso können im “echten” Leben Gedanken Emotionen auslösen. Bei den meisten Menschen sind die Gedanken sogar der Hauptauslöser für Emotionen. Aber das wissen sie ja nicht, weil es sich für sie 100 % echt anfühlt. Sie kennen keinen anderen Zustand. Wer zum Beispiel den Film “Inception” gesehen hat, kann sich das so vorstellen. Die Leute die im Traum sind, wissen nicht, dass es ein Traum ist und glauben, dass das was passiert die Realität ist. Wer ihnen etwas erzählt spricht mit dem Menschen in seiner Realität. Wenn er aufwacht oder wie im Film einen weiteren Traum träumt sozusagen “in” einem Traum ist, der sieht seine Realität dann ganz anders. Das stellt natürlich die Frage, woher weiß ich, dass ich (nicht) träume?

Wenn ich eines Tages aufwachen würde und erkennen würde, dass mein bisheriges Leben ein Traum war, dann würde sich für mich vieles ändern. Wenn ich dann einem anderen Menschen (der wahrscheinlich noch träumt) davon erzählen würde, würde er es wahrscheinlich nicht glauben wollen, weil er ja “wach” und in der Realität (in seiner) ist. Also kann ich ihm wahrscheinlich nicht davon erzählen. Außer er will es von sich aus. Dann kann ich versuchen es zu erklären. Aber ob er dann aufwacht oder nicht, hängt alleine von ihm ab.

Zurück zum Thema träumen. Manchmal gibt es Träume oder Erinnerungen an irgendetwas (Orte, Situationen, Personen, Ereignisse), von denen wir nicht mehr unterscheiden können, ist das wirklich passiert, oder habe ich es nur geträumt? Oder hat mir jemand davon erzählt? Aber egal wie sehr wir uns anstrengen, dass Bild in unseren Gedanken bleibt das gleiche und wird nicht schärfer. So bleiben wir im ungewissen über seinen Ursprung, aber das Bild bleibt uns erhalten. Und in Wirklichkeit ist es auch das gleiche. Sowohl Erzählungen, als auch Träume als auch Erinnerungen sind alle nur Erinnerungen in unseren Köpfen. Es sind sozusagen gespeicherte Dateien in unseren Gehirnen. Und sie haben alle den selben Stellenwert. Erinnerungen bedeuten nicht mehr als Träume oder umgekehrt. Es sind nur elektronische Signale in unseren Gehirnen. Was ich jetzt hier erlebe ist echt. Woran ich mich erinnere, was in der Vergangenheit passiert ist, sind nur Erinnerungen und haben keine andere Realität. Es gibt keinen Ort und keine Zeit an dem sie echt sind. Sie sind nur Gedanken. Aber diese Gedanken können Emotionen auslösen, genau wie Träume es können. Genauso ist die Zukunft nur in Gedanken da. Sie ist nicht echt. Aber die Gedanken daran können Emotionen auslösen. Und diese Emotionen können sehr stark sein (in beide Richtungen). Sie sind meist so vorherrschend, dass sie eigentlich unser ganzes Verhalten beeinflussen. Es gibt selten Momente, in denen wir nur das erleben, was hier und jetzt passiert, was echt ist. Sobald ich wieder in Gedanken in der Vergangenheit oder Zukunft bin, ist es als würde ich träumen. Ich glaube, dass es echt ist und es löst Emotionen aus. Wenn mir dann einer sagen würde: “Das ist nicht real. Das sind nur Gedanken. Du träumst nur.”, dann würde ich ihm nicht glauben wollen, weil es für mich meine Realität ist.

“Who looks outside, dreams; who looks inside, awakes.” ― Carl Gustav Jung

 

mein Mitbewohner 19. September 2015 mein Mitbewohner Keine Kommentare Trackback URL

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