Haben oder sein?

Alles was wir haben können, werden wir verlieren. Alles was wir sind ist für die Ewigkeit. Ewig ist kein sehr langer Zeitraum, sondern etwas ohne Anfang und ohne Ende, dass unabhängig von der Zeit existiert. Oder besser gesagt: es existiert keine Zeit. Die meisten Menschen haben das noch nicht erkannt. Sie identifizieren sich ausschließlich mit ihren Gedanken. Und diese Gedanken reden ihnen ein, dass sie ihr Körper und ihre Gedanken seien, aber dem ist nicht so. Tatsächlich haben sie Gedanken und sie haben einen Körper. Aber beides werden sie unweigerlich verlieren. Oft hört man, “sein Leben verlieren”; das würde bedeuten, dass man ein Leben hat. Was hiermit eigentlich gemeint ist: man hat eine Lebenssituation. Die kann man auch verlieren. Aber was man tatsächlich ist, kann man nicht verlieren. Wir sind Leben. Aber eben Leben aus der Perspektive einer Person. Mit ihren Sinneswahrnehmungen und sekundär mit ihren Gedanken. Auch all das wird man verlieren. Ebenso wie Status, Beruf, Besitz, Geld, Gesundheit, Jugend, Aussehen, Freunde und vieles mehr. Wer also viel seiner Aufmerksamkeit in etwas ‘investiert’ was er haben will, wird es trotzdem endlich verlieren. Wer jetzt traurig ist oder Angst verspürt, kann genau erkennen woran er festhält bzw. anhaftet. Und dieses Festhalten ist es, was dazu führen wird, dass wir schließlich leiden werden, sobald wir es nicht mehr halten können. Wer aber schon vorher bereit ist, es zu gegebener Zeit los zu lassen – und die Zeit ist immer jetzt – , wird nicht mehr leiden. Das heißt nicht, dass man alles loslassen muss. Ich kann meine Wohnung genießen, so lange ich in ihr lebe. Ich kann auch meine Freunde oder irgendwelche Gegenstände genießen, so lange ich ihnen meine Aufmerksamkeit zukommen lasse. Aber wenn das nicht mehr möglich sein sollte, dann leide ich nicht darunter. Die wesentliche Aufgabe während der Lebensspanne unserer Körper (nicht uns!) ist es, alles was wir haben können in dem Maße zu verfolgen, das genug ist. Die Schwierigkeit darin besteht nur, heraus zu finden, wie viel “genug” ist. Wenn wir in vielen Ebenen unserer Existenz “genug haben”, können wir uns mit den wesentlichen, wichtigen Dingen beschäftigen, das heißt ihnen Energie zu widmen. Denn wir sind, während wir hier sind, genau wie alles andere was existiert, sozusagen Verteiler von Energie. Alles was existiert, ist Energie in irgendeiner Form. Und wenn wir uns entscheiden unsere Aufmerksamkeit irgendetwas zu widmen, das heißt uns auf etwas zu fokussieren, dann bedeutet das, dass wir Energie dort hinein stecken. In welcher Form auch immer. Wenn ich unentwegt damit beschäftigt bin, etwas hinterher zu laufen, was ich haben kann, weil ich immer mehr davon haben will, weil ich Sorge habe, sonst zu wenig zu haben, dann habe ich keine Energie mehr übrig um sie auf das wesentliche zu fokussieren. Deshalb ist es wichtig, bei allem was wir haben können, den Mittelweg zu finden, das Maß zu finden wie viel “genug” ist. Wenn ich das jetzt nicht tue, dann renne ich etwas hinterher wie ein Hase einer Karotte die ihm so festgemacht wurde, dass er sie immer vor sich sieht, sie aber nie erreichen kann.

 

Ich bin nicht mein Name. Ich bin nicht mein Körper. Ich bin nicht meine Gedanken. Ich bin nicht meine Gefühle.

Ich habe einen Namen. Ich habe einen Körper. Ich habe Gedanken. Ich habe Gefühle. Ich habe einen Beruf. Aber ich bin derjenige, der alles erlebt. Auch ohne Namen erlebe ich. Auch ohne Gedanken erlebe ich. Auch ohne Beruf erlebe ich. Auch ohne Gefühle erlebe ich. Auch ohne Körper erlebe ich.

Wer Schwierigkeiten mit irgendetwas davon (oder anderem) hat, weiß genau woran er anhaftet/festhält. Egal was es ist, Du wirst es verlieren. Aber es ist Deine Entscheidung ob Du darunter leiden wirst oder nicht. Genauso wenn Du etwas in der Vergangenheit verloren hast, ist es Deine Entscheidung ob Du immer noch versuchst, daran festzuhalten (auch wenn es sinnfrei ist) oder ob Du es loslassen kannst. Dann wirst Du nicht mehr darunter leiden.

Ich bin jetzt.

Alles was vergangen ist, existiert nur in meinen Gedanken. Alles was kommen wird, existiert nur in meinen Gedanken. Alles was ist, ist jetzt.

Alles was jetzt ist, bin ich.

 

“Wer sagt, sich Sorgen zu machen nützt nichts, hat Unrecht. Jedes mal wenn ich mir Sorgen um etwas mache, dann passiert es nicht.” – unbekannt

mein Mitbewohner 30. September 2015 mein Mitbewohner Keine Kommentare Trackback URL

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