Glauben im 20. Jahrhundert

Früher haben die meisten Menschen in Europa einen Glauben gehabt, der in etwa so aussah:

Es gibt einen allmächtigen Gott, der alles weiß und alles steuert. Es gibt seinen Gegenspieler, den Teufel mit seinem Herrschaftsgebiet, der Hölle. Das Gegenstück dazu ist der Himmel. Dazwischen liegt die Erde. Alles auf der Erde (vor allem die Menschen) werden von Gott beherrscht und vom Teufel beeinflusst. Nach dem Ende der Existenz geht ein unsterblicher Teil des Menschen (seine Seele) entweder in den Himmel oder in die Hölle. Je nachdem wie er sich im ‘Leben’ verhalten hat. Dieser Gott hat auch Regeln für die Menschheit erstellt. Und diese Regeln stehen in einem ‘von Gott geschriebenen’ (?) Buch. Da die meisten Menschen nicht lesen und schreiben konnten, gab es nur wenige Menschen die das Buch lesen und vervielfältigen konnten. Und vor allem nur wenige, die den anderen alles erzählen konnten, was ‘Gottes Wille’ ist. Und diese wenigen haben eine Hierarchie aufgebaut, um den Großteil der anderen Menschen zu beherrschen. Damit können sie Menschen sehr stark steuern.

Dieses Herrschaftssystem war sehr erfolgreich, weil es sich unter anderem an den Grundängsten der Menschen bedient. Wie zum Beispiel, was passiert nach dem Tod? Oder: einer großen Gruppe anzugehören. Oder: geheimes Wissen zu haben. Dann gibt es noch das dazugehörende Prinzip der ‘Schuld’: in der Natur kommt sie nicht vor. Sie ist vom Menschen erschaffen und wird auch vom Menschen genutzt.

Um so ein System so haltbar wie möglich zu machen, fängt man schon bei den kleinsten Kindern an, sie zu indoktrinieren. Das führt einerseits dazu, dass die gesamte Bevölkerung den gleichen Glauben hat. Das hat den wichtigen Grund, dass die Bevölkerung sich gegenseitig selbst überwachen und kontrollieren kann. Andererseits hat es den Vorteil, dass Kinder sich nicht wehren können und leicht empfänglich sind für alles was Erwachsene ihnen beibringen möchten. Sie kommen unprogrammiert auf die Welt und kennen kein Misstrauen. Da sie aber noch nicht wissen, was in der Welt auf sie zu kommen wird, vertrauen sie denjenigen, die schon etwas länger hier sind und schauen sich bei ihnen das Verhalten ab. Sehr früh (nach ein paar Jahren schon) bilden sie dann ein sehr ähnliches Verhalten ab. Bei den meisten Menschen ist diese Prägung so stark, dass sie sich ihr ganzes Leben nicht mehr verändern werden.

Glücklicherweise ist die Natur ein selbstregulierendes System. Denn erst der Ausbruch von zum Beispiel Pest und Pocken störten das bestehende stabile System so sehr, dass Überlebende ihren alten Glauben ablegten und sich einem neuen Weltbild widmeten. Diese Zeit der Wiedergeburt ist heute bekannt als eben ‘Renaissance’. Entfesselt vom alten Herrschaftssystem der Kirche, schufen Wissenschaft und Kunst die größten Werke die die Menschheit bis dahin gesehen hatte. Sie hat bis heute Einfluss auf uns und bildet die Grundlage für viele Dinge, die wir heute als selbstverständlich ansehen (Medizin, Architektur, Handel, Banken uvm.)

Aber, das ändert nichts daran, dass die alten Ängste und Bedürfnisse weiterhin in viele Menschen programmiert werden. Und wenn man dann ein System erschafft – oder anders gesagt: wenn ein System sich entwickelt, dass diese Ängste und Bedürfnisse bedient, aber weiter entwickelt und undurchsichtiger ist als das alte bekannte, dann kann das wieder so erfolgreich werden wie früher. Oder wahrscheinlich sogar erfolgreicher. Und da komme ich zum eigentlichen Thema: das kapitalistische Wirtschaftssystem in dem wir heute leben (das für uns selbstverständlich ist), ist ein modernes Glaubenssystem. Es bedient sich der einflussreichen Bedürfnisse des Menschen um den Menschen dadurch steuern zu können. Es passt seine Methoden den sich ändernden Bedürfnissen an und ist nicht starr wie die Kirche früher. Es hat viel mächtigere Werkzeuge wie zum Beispiel industrialisierte Produktion von Gütern aller Art (auch Nahrungsmittel) und Verbreitung von Informationen (Buchdruck, Alphabetisierung, Telefon, Radio, Fernsehen, Internet). Propaganda gab es nicht nur zwischen 1933 und 1945. Es gab sie schon davor. Und es gibt sie bis heute. Es ist nicht nur für ‘negative’ Steuerung, sondern auch für ‘positive’ Steuerung verwendbar. Propaganda ist dafür da, große Bevölkerungen in eine gewünschte Richtung zu steuern. Und die heutige Propaganda ist viel ausgefeilter und wird wesentlich besser verbreitet, als alle bisher verwendeten Werkzeuge um Menschen zu beeinflussen und zu steuern.

Wer sich darauf einlassen kann, kann unser heutigen System selbst einer Prüfung unterstellen.

Wenn ich das mache, kann ich erkennen, dass die meisten Menschen in Europa den gleichen Glauben haben. Der sieht in etwa so aus:

Es gibt einen unsichtbaren allmächtigen Herrscher, dem sich alle unterwerfen müssen: dem Markt. Alles was der Markt verlangt, muss von den Menschen gemacht werden. Sein Herrschaftswerkzeug ist das Geld. Die meisten Menschen glauben (auch wenn sie sich das nicht bewusst machen), das Geld etwas “gegebenes” ist (fast wie das Wort Gottes). Aber Geld ist genau wie die Bibel von Menschenhand gemacht. Es ist ein sehr weit entwickeltes System, aber es ist immer noch vom Menschen gemacht. Und es gibt wenige, die das System verstehen. Bei diesen wenigen gibt es zwei wesentliche Unterschiede. Die einen profitieren so sehr von dem System, dass sie es um jeden Preis erhalten möchten. Die anderen haben so wenig Einfluss, dass er nicht gefährlich für das System ist. Und zwischendrin sind die 99% der Menschen, die für das System arbeiten. Sie haben Ängste und Bedürfnisse. Und Geld verspricht, dass es alle Bedürfnisse befriedigen kann und Dich vor allen Ängsten schützen kann. Aber es kann dieses Versprechen nicht halten. Was es aber auch macht ist, dass es uns abhängig macht wie von einer Droge. Wir fühlen uns gut und sicher damit (ist aber eine Täuschung, wenn auch eine sehr gute) und haben riesige Angst es zu verlieren. Wir wollen Geld, damit wir keine Angst mehr haben. Aber wenn wir Geld haben, erschaffen wir uns eine noch größere Angst es zu verlieren. Ironisch, nicht wahr? Die größte Angst für viele ist in die Armut zu geraten (Hölle). Der größte Wunsch ist es genug Geld zu haben (Himmel). Hier möchte ich einen nicht überschätzbaren Rat geben: finde heraus, wie viel genug ist! Ich meine das wortwörtlich. Versuche heraus zu finden, wie viel Geld (in Zahlen) Du haben müsstest, damit Du genug hättest.

Unsere heutigen Prediger und Bibeln sind die Wirtschaftslenker. Sie errichten Zeitungen und Fernsehsender in denen sie uns predigen, worauf wir zu achten haben, was wir tun sollten und was wir erreichen können. Alles ist aber schön verpackt in Hochglanz und mit schöner Sprache und schönen Bildern. Aber es programmiert uns täglich viele Stunden. Wir glauben, was wir wiederholt zu sehen und hören kriegen. Unsere Mitmenschen sind gleich programmiert und so sorgen wir und sie ständig für eine gegenseitige Kontrolle. Wir werden von klein auf so indoktriniert. Von den Eltern, von den Freunden, vom Kindergarten, von der Schule, von der Ausbildung, vom Studium, vom Arbeitgeber, von Politikern, von Medien. Und wir geben es ständig weiter. Virales programmieren.

 

“In 1935 Sinclair Lewis wrote a popular novel in which a racist, anti-Semitic, flag-waving, army-backed demagogue wins the 1936 presidential election and proceeds to establish an Americanized version of Nazi Germany. The title, It Can’t Happen Here, was a tongue-in-cheek warning that it might. But the “it” Lewis referred to is unlikely to happen again any place. Even in today’s Germany, Italy or Japan, a modern-style corporate state or society would be far different from the old regimes of Hitler, Mussolini, and the Japanese oligarchs. Anyone looking for black shirts, mass parties, or men on horseback will miss the telltale clues of creeping fascism. In any First World country of advanced capitalism, the new fascism will be colored by national and cultural heritage, ethnic and religious composition, formal political structure, and geopolitical environment. The Japanese or German versions would be quite different from the Italian variety-and still more different from the British, French, Belgian, Dutch, Australian, Canadian, or Israeli versions. In America, it would be supermodern and multi-ethnic-as American as Madison Avenue, executive luncheons, credit cards, and apple pie. It would be fascism with a smile. As a warning against its cosmetic facade, subtle manipulation, and velvet gloves, I call it friendly fascism. What scares me most is its subtle appeal.” – Bertram Myron Gross

mein Mitbewohner 28. Oktober 2017 mein Mitbewohner Keine Kommentare Trackback URL

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