Meditation

Der moderne Mensch ist eines der “erfolgreichsten” Lebewesen in der Geschichte der Erde. Mit ein wichtiger Grund für seinen Erfolg sind zwei Faktoren. Erstens hat er vor vielen tausend Jahren gelernt, sich an die Vergangenheit zu erinnern und sich eine eventuelle Zukunft vorzustellen. Zweitens hat er eine Sprache entwickelt, die es ihm möglich macht anderen Artgenossen Dinge zu übermitteln, die nicht in direkter Umgebung sind (sowohl örtlich als auch zeitlich), sowie Ideen, die keine materielle Existenz in der Realität haben. Er nutzt seit da diese Vorteile gegenüber allen anderen Wesen in der Natur, um sein Überleben zu sichern und sich auch in einer vorgestellten Zukunft weitere Vorteile zu sichern. Da sich dieser Teil des Gehirns (ich werde ihn ab jetzt den “Verstand” nennen) vermutlich als Schutzfunktion so weit entwickelt hat, wird er heute immer noch hauptsächlich dafür verwendet, Gefahren oder Probleme zu erkennen. Leider hat er durch die Möglichkeit sich ohne Grenzen Dinge in der Zukunft vorstellen zu können, eine endlose Quelle für mögliche Gefahren oder Probleme. Das macht sich unter anderem dadurch bemerkbar, dass der fast ununterbrochen aktiv ist, auch wenn keine Gefahr droht. Er ist sozusagen immer im “Achtung”-Modus. Er scannt laufend seine Umgebung und erschafft innerhalb der Gedanken mögliche Szenarien. Dadurch lässt er sich auch leicht beeinflussen. Das ist auch der Grund, warum uns negative Nachrichten mehr interessieren als positive.

Weil wir als Menschen (noch) nicht von klein auf beigebracht bekommen, wie dieser Mechanismus funktioniert, lernen wir leider auch nicht, wie wir ihn abschalten können, falls wir ihn nicht verwenden möchten (nicht permanent, sondern für einen von uns gewählten Zeitraum, der jederzeit unterbrochen werden kann). Also ist die meiste Zeit, die wir wach sind, unser Verstand aktiv. Er ist sozusagen ein Problemlöser. Sollte ein Problem auftauchen, verwenden wir unseren Verstand um es zu lösen. Der Haken ist: sollte es kein Problem geben, und wir wissen nicht wie wir den Verstand “ausschalten”, dann bleibt er weiter aktiv. Er sucht so lange, bis er ein Problem findet. Und dabei ist es häufig so, dass dadurch erst ein “Problem” entsteht, das es ohne die Suche gar nicht gegeben hätte. Das ist – hoffentlich selbstverständlich – sehr anstrengend. Diese Anstrengung kann dazu führen, dass wir zu wenig Energie haben und dass wir unzufrieden sind. Weil Unzufriedenheit ein Zustand ist, den Menschen nicht ertragen wollen, versuchen sie allerlei um etwas dagegen zu unternehmen. Tatsächlich sind die meisten Aktivitäten von Menschen auf diese Ursache zurück zu führen. Aber leider bringen die meisten keine nachhaltige Lösung dafür. Kurzfristig schaffen sie Erleichterung. Aber langfristig ist es ein Hamsterrad, das nie aufhört sich weiter zu drehen. Oft haben diese Anstrengungen auch Nebeneffekte oder Nachwirkungen (manche sehr langfristige). Aber so lange man nicht erkannt hat, wie dieser Mechanismus in uns funktioniert, laufen wir sprichwörtlich immer der Karotte hinterher, die uns mit einer Angel am Rücken befestigt wurde.

Eine Methode (es gibt zahllose) um zu erkennen wie das funktioniert, ist die sogenannte Meditation. Der Sinn der Meditation ist es, seine Innenwelt zu beobachten ohne darauf zu reagieren. Das heißt, egal welche Gedanken und Gefühle erscheinen, nichts zu tun. Die Methode ist, seinen Körper so lange wie möglich völlig still zu halten (deswegen eine Körperhaltung, die man lange aushalten kann). Es ist hilfreich seine Augen zu schließen um nicht von visuellen Eindrücken abgelenkt zu werden. Akustische Ablenkungen sind nicht so stark wie visuelle* (bei mir zumindest.). Die meisten Menschen, die sich irgendwann einmal darin versucht haben zu meditieren, wissen noch nicht was der eigentliche Sinn davon ist. Sie haben vielleicht irgendwo gehört, dass es dabei hilft, weniger gestresst zu sein oder besser schlafen zu können o.ä. Das sind auch tatsächlich mögliche Konsequenzen davon. Aber es ist nicht der eigentliche Grund. Vielleicht machen sie es auch nur, weil es gerade in einer Gruppe modern ist. Jedenfalls geht es vielen dabei am Anfang so, dass sie zum Beispiel ruhig sitzen (meditieren kann man in jeder Körperhaltung, das sitzen ist jedoch sehr hilfreich) und versuchen sich nicht zu bewegen. Dabei schießen ihnen willkürlich viele Gedanken durch den Kopf: “Was mache ich hier eigentlich?”, “Diese Haltung ist unbequem, meine Beine und mein Rücken tun weh. Hoffentlich hole ich mir dadurch keinen Schaden.” “Das bringt doch gar nichts.” “Ich habe keine Ahnung wie man richtig meditiert.” Und das ist alles völlig normal. Es ist der erste Schritt, der gegangen werden muss. Wichtig ist, sich dadurch nicht vom Weg abbringen zu lassen. Diese Fragen stellt der Verstand (siehe oben). Er befasst sich mit allerlei Dingen. Welche das sind, hängt davon ab was wir in unserem Leben alles erlebt und erfahren haben. Aber steuern lässt sich der Verstand schlecht. Was jetzt das wichtigste ist, ist zu erkennen, dass Du nicht Dein Verstand bist. Dein Verstand ist ein Teil von Dir. Er spricht und kommentiert meistens fortlaufend. Du bist derjenige, der ihm zuhört. Das gilt es in der Meditation zu erkennen. Sobald Du das erkannt hast, ist der nächste Schritt, dass Du Dich nicht mehr von ihm beherrschen lässt. Bei den meisten Menschen ist es so, dass der Verstand irgendwas erzählt, und die Menschen daraufhin irgendwelche Handlungen ausführen. Ob der Verstand Recht hat oder Sinn macht wird nicht hinterfragt. Das Wesentliche an der Methode der Meditation, ist ruhig zu bleiben und keine Reaktion auf den Verstand zu geben. Die Gedanken, die erscheinen, lösen oft auch Gefühle aus. Die beiden gehören meistens zusammen. Manchmal lösen auch Gefühle eine Kette von Gedanken aus. Das kann sich auch ganz schön hochschaukeln. Wichtig ist, dass man ruhig bleibt und keinerlei Reaktion zeigt. Man beobachtet nur seine Gedanken und Gefühle. So lernt man, dem Verstand und den Gefühlen die Herrschaft über sich zu nehmen. Das Ziel ist es frei zu sein. Während man meditiert, kommen all diese Gedanken und Gefühle mal mehr mal weniger stark. Aber man kann dadurch lernen, dass die beiden keine Kontrolle über Dich und Deinen Körper haben. Du hast die Kontrolle über Deinen Körper. Sobald man das einmal erkannt hat, kann man das im Alltag regelmäßig üben, so dass der Verstand und die Gefühle immmer weniger Herrschaft über euch haben. Das heißt nicht, dass keine Gedanken und Gefühle mehr erscheinen. Die kommen weiterhin. Auch den Verstand kann man verwenden, wann immer man es will (zum Beispiel um einen Plan zu schmieden oder ein Problem zu lösen). So kann die Meditation dann auch während des Laufens, während des Autofahrens, während des Arbeitens oder während des Spielens geübt werden. Stück für Stück ist man achtsamer. Und diese Achtsamkeit ist es, die unseren Taten eine höhere Qualität verleiht.

* Akustische Signale kommen und gehen. Visuelle bleiben und haben deswegen eine längerfristige Illussion von “Festigkeit” oder “Echtheit”.

 

“Look deep into nature, and then you will understand everything better.” – Albert Einstein

“We can’t solve problems by using the same kind of thinking we used when we created them.” – Albert Einstein

mein Mitbewohner 2. Februar 2019 mein Mitbewohner Keine Kommentare Trackback URL

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