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Die Erde läuft gut

Das Original ist von Wolfgang Neuss. Ich habe ein paar Kleinigkeiten an unsere Zeit angepasst.

Die Erde,
wie sie da ist,
wo wir draufsitzen,
die Erde …
die Erde sagt:
Hör mal zu,
sagt die Erde,
die Welt läuft immer gut,
wie sie läuft. -
Was denn,
auch mit den tausend Toten
durch die Herzinfarkte,
durch Übergewicht?
Die Welt läuft immer gut,
wie sie läuft,
die Erde läuft immer gut,
wie sie läuft …
Was denn,
auch mit den Anschlägen,
al-Qaeda,
die da angriffen,
was denn …
Palästina,
haste die Kriegsverbrechen??? …
Die Erde läuft immer gut,
wie sie läuft,
sagt die Welt.
Die Welt sagt:
Die Erde läuft gut,
wie sie läuft,
die läuft gut,
wie sie läuft.
Seit Milliarden Jahren,
sagt die Erde,
die Welt läuft gut,
wie sie läuft! -
Ja, aber,
haste denn nicht Auschwitz gesehen …
Die Erde läuft gut,
wie sie läuft,
die Welt läuft gut,
wie sie läuft …
und jetzt kommen wir,
wir alle,
wir Jungen und wir Alten und wir alle,
wir Menschen,
und sagen:
Aber Fortschritt muß doch sein!
Da sagt die Erde:
Die Erde läuft gut,
wie sie läuft,
die läuft gut,
wie sie läuft! …
Det ist der Fortschritt;
wir wolln trotzdem den Fortschritt!
Wir wolln ändern immer,
und die Erde sagt da ununterbrochen,
das ist die Tatsache,
ein Gesetz:
Die Erde läuft gut,
wie sie läuft,
das ist der Urgeist!!
Der sagt das.
Und da ist auch nichts dran zu rütteln,
auch nicht …
Die Erde läuft gut, wie sie läuft.
Und da kommen wir an und ich besonders,
Scheppi,
und sage:
Aber die Welt muß doch total geändert werden,
und Hitler,
total geändert werden,
und – Trump,
na aber,
und der Dalai Lama -
… ja und der Fortschritt?
… ist dünn.
Warum denn ist er dünn?
Nicht,
weil das boshaft ist,
nicht,
weil jemand nicht will,
nicht weil jemand besonders will …
sondern weil die Erde gut läuft,
wie sie läuft.
Darum ist der Fortschritt immer so dünn.
Wir Menschen erreichen halt doch etwas.
Aber dünn.
Dünn.

 

“In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.” – Egon Bahr

“We succeeded in taking that picture [from deep space], and, if you look at it, you see a dot. That’s here. That’s home. That’s us. On it, everyone you ever heard of, every human being who ever lived, lived out their lives. The aggregate of all our joys and sufferings, thousands of confident religions, ideologies and economic doctrines, every hunter and forager, every hero and coward, every creator and destroyer of civilizations, every king and peasant, every young couple in love, every hopeful child, every mother and father, every inventor and explorer, every teacher of morals, every corrupt politician, every superstar, every supreme leader, every saint and sinner in the history of our species, lived there on a mote of dust, suspended in a sunbeam.

The Earth is a very small stage in a vast cosmic arena. Think of the rivers of blood spilled by all those generals and emperors so that in glory and in triumph they could become the momentary masters of a fraction of a dot. Think of the endless cruelties visited by the inhabitants of one corner of the dot on scarcely distinguishable inhabitants of some other corner of the dot. How frequent their misunderstandings, how eager they are to kill one another, how fervent their hatreds. Our posturings, our imagined self-importance, the delusion that we have some privileged position in the universe, are challenged by this point of pale light.

Our planet is a lonely speck in the great enveloping cosmic dark. In our obscurity – in all this vastness – there is no hint that help will come from elsewhere to save us from ourselves. It is up to us. It’s been said that astronomy is a humbling, and I might add, a character-building experience. To my mind, there is perhaps no better demonstration of the folly of human conceits than this distant image of our tiny world. To me, it underscores our responsibility to deal more kindly and compassionately with one another and to preserve and cherish that pale blue dot, the only home we’ve ever known.” – Carl Sagan

Pale Blue Dot

Geschrieben von mein Mitbewohner am 19. März 2019
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Meditation

Der moderne Mensch ist eines der “erfolgreichsten” Lebewesen in der Geschichte der Erde. Mit ein wichtiger Grund für seinen Erfolg sind zwei Faktoren. Erstens hat er vor vielen tausend Jahren gelernt, sich an die Vergangenheit zu erinnern und sich eine eventuelle Zukunft vorzustellen. Zweitens hat er eine Sprache entwickelt, die es ihm möglich macht anderen Artgenossen Dinge zu übermitteln, die nicht in direkter Umgebung sind (sowohl örtlich als auch zeitlich), sowie Ideen, die keine materielle Existenz in der Realität haben. Er nutzt seit da diese Vorteile gegenüber allen anderen Wesen in der Natur, um sein Überleben zu sichern und sich auch in einer vorgestellten Zukunft weitere Vorteile zu sichern. Da sich dieser Teil des Gehirns (ich werde ihn ab jetzt den “Verstand” nennen) vermutlich als Schutzfunktion so weit entwickelt hat, wird er heute immer noch hauptsächlich dafür verwendet, Gefahren oder Probleme zu erkennen. Leider hat er durch die Möglichkeit sich ohne Grenzen Dinge in der Zukunft vorstellen zu können, eine endlose Quelle für mögliche Gefahren oder Probleme. Das macht sich unter anderem dadurch bemerkbar, dass der fast ununterbrochen aktiv ist, auch wenn keine Gefahr droht. Er ist sozusagen immer im “Achtung”-Modus. Er scannt laufend seine Umgebung und erschafft innerhalb der Gedanken mögliche Szenarien. Dadurch lässt er sich auch leicht beeinflussen. Das ist auch der Grund, warum uns negative Nachrichten mehr interessieren als positive.

Weil wir als Menschen (noch) nicht von klein auf beigebracht bekommen, wie dieser Mechanismus funktioniert, lernen wir leider auch nicht, wie wir ihn abschalten können, falls wir ihn nicht verwenden möchten (nicht permanent, sondern für einen von uns gewählten Zeitraum, der jederzeit unterbrochen werden kann). Also ist die meiste Zeit, die wir wach sind, unser Verstand aktiv. Er ist sozusagen ein Problemlöser. Sollte ein Problem auftauchen, verwenden wir unseren Verstand um es zu lösen. Der Haken ist: sollte es kein Problem geben, und wir wissen nicht wie wir den Verstand “ausschalten”, dann bleibt er weiter aktiv. Er sucht so lange, bis er ein Problem findet. Und dabei ist es häufig so, dass dadurch erst ein “Problem” entsteht, das es ohne die Suche gar nicht gegeben hätte. Das ist – hoffentlich selbstverständlich – sehr anstrengend. Diese Anstrengung kann dazu führen, dass wir zu wenig Energie haben und dass wir unzufrieden sind. Weil Unzufriedenheit ein Zustand ist, den Menschen nicht ertragen wollen, versuchen sie allerlei um etwas dagegen zu unternehmen. Tatsächlich sind die meisten Aktivitäten von Menschen auf diese Ursache zurück zu führen. Aber leider bringen die meisten keine nachhaltige Lösung dafür. Kurzfristig schaffen sie Erleichterung. Aber langfristig ist es ein Hamsterrad, das nie aufhört sich weiter zu drehen. Oft haben diese Anstrengungen auch Nebeneffekte oder Nachwirkungen (manche sehr langfristige). Aber so lange man nicht erkannt hat, wie dieser Mechanismus in uns funktioniert, laufen wir sprichwörtlich immer der Karotte hinterher, die uns mit einer Angel am Rücken befestigt wurde.

Eine Methode (es gibt zahllose) um zu erkennen wie das funktioniert, ist die sogenannte Meditation. Der Sinn der Meditation ist es, seine Innenwelt zu beobachten ohne darauf zu reagieren. Das heißt, egal welche Gedanken und Gefühle erscheinen, nichts zu tun. Die Methode ist, seinen Körper so lange wie möglich völlig still zu halten (deswegen eine Körperhaltung, die man lange aushalten kann). Es ist hilfreich seine Augen zu schließen um nicht von visuellen Eindrücken abgelenkt zu werden. Akustische Ablenkungen sind nicht so stark wie visuelle* (bei mir zumindest.). Die meisten Menschen, die sich irgendwann einmal darin versucht haben zu meditieren, wissen noch nicht was der eigentliche Sinn davon ist. Sie haben vielleicht irgendwo gehört, dass es dabei hilft, weniger gestresst zu sein oder besser schlafen zu können o.ä. Das sind auch tatsächlich mögliche Konsequenzen davon. Aber es ist nicht der eigentliche Grund. Vielleicht machen sie es auch nur, weil es gerade in einer Gruppe modern ist. Jedenfalls geht es vielen dabei am Anfang so, dass sie zum Beispiel ruhig sitzen (meditieren kann man in jeder Körperhaltung, das sitzen ist jedoch sehr hilfreich) und versuchen sich nicht zu bewegen. Dabei schießen ihnen willkürlich viele Gedanken durch den Kopf: “Was mache ich hier eigentlich?”, “Diese Haltung ist unbequem, meine Beine und mein Rücken tun weh. Hoffentlich hole ich mir dadurch keinen Schaden.” “Das bringt doch gar nichts.” “Ich habe keine Ahnung wie man richtig meditiert.” Und das ist alles völlig normal. Es ist der erste Schritt, der gegangen werden muss. Wichtig ist, sich dadurch nicht vom Weg abbringen zu lassen. Diese Fragen stellt der Verstand (siehe oben). Er befasst sich mit allerlei Dingen. Welche das sind, hängt davon ab was wir in unserem Leben alles erlebt und erfahren haben. Aber steuern lässt sich der Verstand schlecht. Was jetzt das wichtigste ist, ist zu erkennen, dass Du nicht Dein Verstand bist. Dein Verstand ist ein Teil von Dir. Er spricht und kommentiert meistens fortlaufend. Du bist derjenige, der ihm zuhört. Das gilt es in der Meditation zu erkennen. Sobald Du das erkannt hast, ist der nächste Schritt, dass Du Dich nicht mehr von ihm beherrschen lässt. Bei den meisten Menschen ist es so, dass der Verstand irgendwas erzählt, und die Menschen daraufhin irgendwelche Handlungen ausführen. Ob der Verstand Recht hat oder Sinn macht wird nicht hinterfragt. Das Wesentliche an der Methode der Meditation, ist ruhig zu bleiben und keine Reaktion auf den Verstand zu geben. Die Gedanken, die erscheinen, lösen oft auch Gefühle aus. Die beiden gehören meistens zusammen. Manchmal lösen auch Gefühle eine Kette von Gedanken aus. Das kann sich auch ganz schön hochschaukeln. Wichtig ist, dass man ruhig bleibt und keinerlei Reaktion zeigt. Man beobachtet nur seine Gedanken und Gefühle. So lernt man, dem Verstand und den Gefühlen die Herrschaft über sich zu nehmen. Das Ziel ist es frei zu sein. Während man meditiert, kommen all diese Gedanken und Gefühle mal mehr mal weniger stark. Aber man kann dadurch lernen, dass die beiden keine Kontrolle über Dich und Deinen Körper haben. Du hast die Kontrolle über Deinen Körper. Sobald man das einmal erkannt hat, kann man das im Alltag regelmäßig üben, so dass der Verstand und die Gefühle immmer weniger Herrschaft über euch haben. Das heißt nicht, dass keine Gedanken und Gefühle mehr erscheinen. Die kommen weiterhin. Auch den Verstand kann man verwenden, wann immer man es will (zum Beispiel um einen Plan zu schmieden oder ein Problem zu lösen). So kann die Meditation dann auch während des Laufens, während des Autofahrens, während des Arbeitens oder während des Spielens geübt werden. Stück für Stück ist man achtsamer. Und diese Achtsamkeit ist es, die unseren Taten eine höhere Qualität verleiht.

* Akustische Signale kommen und gehen. Visuelle bleiben und haben deswegen eine längerfristige Illussion von “Festigkeit” oder “Echtheit”.

 

“Look deep into nature, and then you will understand everything better.” – Albert Einstein

“We can’t solve problems by using the same kind of thinking we used when we created them.” – Albert Einstein

Geschrieben von mein Mitbewohner am 2. Februar 2019
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Heute immer noch aktuell

Ich habe gerade nochmal einen Text von Immanuel Kant gelesen. Und während des Lesens ist mir aufgefallen, wie aktuell er ist. Ich möchte das einfach nur teilen:

“Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines andern zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Theil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter majorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u. s. w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen.”

Jetzt wo ich das nochmal abgeschrieben habe, fühle ich umso mehr wie wahr es für mich ist.

Ich habe mich nie einer Gruppe angehörig gefühlt. Und ich habe es wirklich versucht. Aber wenn ich mich zu einer Gruppe rechnen könnte, dann könnte ich sagen: ich bin Aufklärer. Jetzt mehr als zuvor.

 

Passend zum Thema fällt mir noch etwas ein. Und zwar das Wort “Aufklärung” wird im Englischen mit “Enlightenment” übersetzt. “Enlightenment” hat aber gleichzeitig auch die Übersetzung “Erleuchtung”. Im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch, glaube ich wird “Erleuchtung” als etwas esoterisches, spirituelles oder gar magisches verstanden. Wenn einer gar sagt, er sei erleuchtet, würde er wohl vom Großteil der Bevölkerung vermutlich als Spinner verurteilt. Erleuchtung kennen die meisten vielleicht nur aus dem Fernsehen. Wenn ein Charakter auf einmal inne hält und alles um ihn herum anfängt zu leuchten, er anfängt zu schweben und übermenschliche Kräfte erhält. Wenn man versuchen würde Erleuchtung mit Worten zu beschreiben und vor allem jemandem zu beschreiben, der es selbst noch nicht erfahren hat, dann könnten solche Ideen entstehen. Wenn ich dann versuchen würde mit einem heutigen Menschen auf deutsch über Erleuchtung zu sprechen, dann wäre seine Idee davon vielleicht schon mit solchen Bildern besetzt. Das würde ihn vermutlich eher davon abhalten mir ernsthaft zuzuhören. Das ist dann vergleichbar mit dem kritischen Hinterfragen der öffentlichen Meinungen, wie zum Beispiel Kriege, Krisen, Anschläge u.s.w. Da wird man auch schnell gebrandmarkt und es wird einem nicht mehr ernsthaft zugehört.

 

“Eine Landkarte ist nicht die Landschaft und Wörter sind nicht die Wirklichkeit.”

Und noch eins:

“Du sollst dich nicht nach einer vollkommenen Lehre sehnen, sondern nach Vervollkommnung deiner selbst.” – Hermann Hesse

Geschrieben von mein Mitbewohner am 28. Oktober 2018
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Glauben im 20. Jahrhundert

Früher haben die meisten Menschen in Europa einen Glauben gehabt, der in etwa so aussah:

Es gibt einen allmächtigen Gott, der alles weiß und alles steuert. Es gibt seinen Gegenspieler, den Teufel mit seinem Herrschaftsgebiet, der Hölle. Das Gegenstück dazu ist der Himmel. Dazwischen liegt die Erde. Alles auf der Erde (vor allem die Menschen) werden von Gott beherrscht und vom Teufel beeinflusst. Nach dem Ende der Existenz geht ein unsterblicher Teil des Menschen (seine Seele) entweder in den Himmel oder in die Hölle. Je nachdem wie er sich im ‘Leben’ verhalten hat. Dieser Gott hat auch Regeln für die Menschheit erstellt. Und diese Regeln stehen in einem ‘von Gott geschriebenen’ (?) Buch. Da die meisten Menschen nicht lesen und schreiben konnten, gab es nur wenige Menschen die das Buch lesen und vervielfältigen konnten. Und vor allem nur wenige, die den anderen alles erzählen konnten, was ‘Gottes Wille’ ist. Und diese wenigen haben eine Hierarchie aufgebaut, um den Großteil der anderen Menschen zu beherrschen. Damit können sie Menschen sehr stark steuern.

Dieses Herrschaftssystem war sehr erfolgreich, weil es sich unter anderem an den Grundängsten der Menschen bedient. Wie zum Beispiel, was passiert nach dem Tod? Oder: einer großen Gruppe anzugehören. Oder: geheimes Wissen zu haben. Dann gibt es noch das dazugehörende Prinzip der ‘Schuld’: in der Natur kommt sie nicht vor. Sie ist vom Menschen erschaffen und wird auch vom Menschen genutzt.

Um so ein System so haltbar wie möglich zu machen, fängt man schon bei den kleinsten Kindern an, sie zu indoktrinieren. Das führt einerseits dazu, dass die gesamte Bevölkerung den gleichen Glauben hat. Das hat den wichtigen Grund, dass die Bevölkerung sich gegenseitig selbst überwachen und kontrollieren kann. Andererseits hat es den Vorteil, dass Kinder sich nicht wehren können und leicht empfänglich sind für alles was Erwachsene ihnen beibringen möchten. Sie kommen unprogrammiert auf die Welt und kennen kein Misstrauen. Da sie aber noch nicht wissen, was in der Welt auf sie zu kommen wird, vertrauen sie denjenigen, die schon etwas länger hier sind und schauen sich bei ihnen das Verhalten ab. Sehr früh (nach ein paar Jahren schon) bilden sie dann ein sehr ähnliches Verhalten ab. Bei den meisten Menschen ist diese Prägung so stark, dass sie sich ihr ganzes Leben nicht mehr verändern werden.

Glücklicherweise ist die Natur ein selbstregulierendes System. Denn erst der Ausbruch von zum Beispiel Pest und Pocken störten das bestehende stabile System so sehr, dass Überlebende ihren alten Glauben ablegten und sich einem neuen Weltbild widmeten. Diese Zeit der Wiedergeburt ist heute bekannt als eben ‘Renaissance’. Entfesselt vom alten Herrschaftssystem der Kirche, schufen Wissenschaft und Kunst die größten Werke die die Menschheit bis dahin gesehen hatte. Sie hat bis heute Einfluss auf uns und bildet die Grundlage für viele Dinge, die wir heute als selbstverständlich ansehen (Medizin, Architektur, Handel, Banken uvm.)

Aber, das ändert nichts daran, dass die alten Ängste und Bedürfnisse weiterhin in viele Menschen programmiert werden. Und wenn man dann ein System erschafft – oder anders gesagt: wenn ein System sich entwickelt, dass diese Ängste und Bedürfnisse bedient, aber weiter entwickelt und undurchsichtiger ist als das alte bekannte, dann kann das wieder so erfolgreich werden wie früher. Oder wahrscheinlich sogar erfolgreicher. Und da komme ich zum eigentlichen Thema: das kapitalistische Wirtschaftssystem in dem wir heute leben (das für uns selbstverständlich ist), ist ein modernes Glaubenssystem. Es bedient sich der einflussreichen Bedürfnisse des Menschen um den Menschen dadurch steuern zu können. Es passt seine Methoden den sich ändernden Bedürfnissen an und ist nicht starr wie die Kirche früher. Es hat viel mächtigere Werkzeuge wie zum Beispiel industrialisierte Produktion von Gütern aller Art (auch Nahrungsmittel) und Verbreitung von Informationen (Buchdruck, Alphabetisierung, Telefon, Radio, Fernsehen, Internet). Propaganda gab es nicht nur zwischen 1933 und 1945. Es gab sie schon davor. Und es gibt sie bis heute. Es ist nicht nur für ‘negative’ Steuerung, sondern auch für ‘positive’ Steuerung verwendbar. Propaganda ist dafür da, große Bevölkerungen in eine gewünschte Richtung zu steuern. Und die heutige Propaganda ist viel ausgefeilter und wird wesentlich besser verbreitet, als alle bisher verwendeten Werkzeuge um Menschen zu beeinflussen und zu steuern.

Wer sich darauf einlassen kann, kann unser heutigen System selbst einer Prüfung unterstellen.

Wenn ich das mache, kann ich erkennen, dass die meisten Menschen in Europa den gleichen Glauben haben. Der sieht in etwa so aus:

Es gibt einen unsichtbaren allmächtigen Herrscher, dem sich alle unterwerfen müssen: dem Markt. Alles was der Markt verlangt, muss von den Menschen gemacht werden. Sein Herrschaftswerkzeug ist das Geld. Die meisten Menschen glauben (auch wenn sie sich das nicht bewusst machen), das Geld etwas “gegebenes” ist (fast wie das Wort Gottes). Aber Geld ist genau wie die Bibel von Menschenhand gemacht. Es ist ein sehr weit entwickeltes System, aber es ist immer noch vom Menschen gemacht. Und es gibt wenige, die das System verstehen. Bei diesen wenigen gibt es zwei wesentliche Unterschiede. Die einen profitieren so sehr von dem System, dass sie es um jeden Preis erhalten möchten. Die anderen haben so wenig Einfluss, dass er nicht gefährlich für das System ist. Und zwischendrin sind die 99% der Menschen, die für das System arbeiten. Sie haben Ängste und Bedürfnisse. Und Geld verspricht, dass es alle Bedürfnisse befriedigen kann und Dich vor allen Ängsten schützen kann. Aber es kann dieses Versprechen nicht halten. Was es aber auch macht ist, dass es uns abhängig macht wie von einer Droge. Wir fühlen uns gut und sicher damit (ist aber eine Täuschung, wenn auch eine sehr gute) und haben riesige Angst es zu verlieren. Wir wollen Geld, damit wir keine Angst mehr haben. Aber wenn wir Geld haben, erschaffen wir uns eine noch größere Angst es zu verlieren. Ironisch, nicht wahr? Die größte Angst für viele ist in die Armut zu geraten (Hölle). Der größte Wunsch ist es genug Geld zu haben (Himmel). Hier möchte ich einen nicht überschätzbaren Rat geben: finde heraus, wie viel genug ist! Ich meine das wortwörtlich. Versuche heraus zu finden, wie viel Geld (in Zahlen) Du haben müsstest, damit Du genug hättest.

Unsere heutigen Prediger und Bibeln sind die Wirtschaftslenker. Sie errichten Zeitungen und Fernsehsender in denen sie uns predigen, worauf wir zu achten haben, was wir tun sollten und was wir erreichen können. Alles ist aber schön verpackt in Hochglanz und mit schöner Sprache und schönen Bildern. Aber es programmiert uns täglich viele Stunden. Wir glauben, was wir wiederholt zu sehen und hören kriegen. Unsere Mitmenschen sind gleich programmiert und so sorgen wir und sie ständig für eine gegenseitige Kontrolle. Wir werden von klein auf so indoktriniert. Von den Eltern, von den Freunden, vom Kindergarten, von der Schule, von der Ausbildung, vom Studium, vom Arbeitgeber, von Politikern, von Medien. Und wir geben es ständig weiter. Virales programmieren.

 

“In 1935 Sinclair Lewis wrote a popular novel in which a racist, anti-Semitic, flag-waving, army-backed demagogue wins the 1936 presidential election and proceeds to establish an Americanized version of Nazi Germany. The title, It Can’t Happen Here, was a tongue-in-cheek warning that it might. But the “it” Lewis referred to is unlikely to happen again any place. Even in today’s Germany, Italy or Japan, a modern-style corporate state or society would be far different from the old regimes of Hitler, Mussolini, and the Japanese oligarchs. Anyone looking for black shirts, mass parties, or men on horseback will miss the telltale clues of creeping fascism. In any First World country of advanced capitalism, the new fascism will be colored by national and cultural heritage, ethnic and religious composition, formal political structure, and geopolitical environment. The Japanese or German versions would be quite different from the Italian variety-and still more different from the British, French, Belgian, Dutch, Australian, Canadian, or Israeli versions. In America, it would be supermodern and multi-ethnic-as American as Madison Avenue, executive luncheons, credit cards, and apple pie. It would be fascism with a smile. As a warning against its cosmetic facade, subtle manipulation, and velvet gloves, I call it friendly fascism. What scares me most is its subtle appeal.” – Bertram Myron Gross

Geschrieben von mein Mitbewohner am 28. Oktober 2017
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Weniger ist mehr

Wenn Menschen irgendetwas erfahren, das heißt wenn es direkt in ihrer Realität erscheint, dann richten sie ihre Aufmerksamkeit darauf. Es erscheint ihnen “interessant”, egal ob es als positiv oder als negativ bewertet wird (denn diese Bewertung nimmt der Verstand durch seine Programmierung vor; wenn es uns gelingt diesen Filter auszuschalten, dann haben wir einfach nur eine Erfahrung). Dieser Effekt nimmt aber ab, wenn die gleiche oder eine ähnliche Erscheinung wiederholt auftritt. Das nennt sich auch Habituation. Zum Beispiel wenn ich ein schönes Bild zum ersten mal sehe, dann ist das eine besondere Erfahrung. Aber wenn ich das Bild dann jeden Tag sehe, wird es zunehmend mehr einfach nur zum “Hintergrund”. Es fällt nicht mehr so besonders auf, das heißt es erscheint uns nicht mehr so im Vordergrund wie die ersten Male. Da Menschen gerne dieses besondere erste Erlebnis erfahren, versuchen sie meistens es irgendwie einzufangen oder festzuhalten, um dieses schöne Gefühl reproduzieren zu können. Das kann sein durch ein Foto davon machen, oder einen Gegenstand zu kaufen oder ein Ergeignis nochmal zu wiederholen um scheinbar das gleiche Gefühl nochmal hervorrufen zu können. Leider funktioniert das nicht so, wie wir uns das vorstellen. Denn der vorher genannte Habituations-Effekt tritt ganz natürlicherweise ein. Die einzige Möglichkeit dem entgegen zu wirken, ist es seine Aufmerksamkeit sozusagen zu trainieren und den Verstand (Filter) bewusst auszuschalten. Den Effekt ganz auszuschalten geht nicht, da wir sonst nicht mehr funktionieren würden, da wir ständig eine Unzahl an Eindrücken erleben. Würden wir alles gleichzeitig in unserer Aufmerksamtkeit haben, wäre das eine Überflutung, mit der wir nicht mehr umgehen könnten. Aber dennoch, können wir das bei einzelnen Sinneseindrücken üben (wenn wir möchten).

Worum es mir hier eigentlich geht, ist das dieser Effekt bekannt werden soll, so dass jeder sich selbst beobachten kann. Denn dann erkennen wir, warum wir vieles in unserem Alltag eigentlich machen. Meistens sind das Dinge, die dem sogenannten Festhalten dienen. Wenn wir aber erkennen, dass das Festhalten nicht den gewünschten Effekt haben kann, dann können wir auch damit aufhören. Somit machen wir uns frei, neue Erlebnisse erfahren zu können. Und diese neuen Erlebnisse sind die einzigen, die das oben beschriebene Wohlgefühl auslösen können, das wir eigentlich so gerne haben, dass wir dauernd versuchen es irgendwie zu reproduzieren. Da die Reproduktion aber nicht gut beziehungsweise nachhaltig funktioniert, kann man sie auch loslassen.

So zum Beispiel wenn wir etwas sehen, das uns Freude bereitet. Wenn es ein Gegenstand ist, versuchen wir meistens sofort ihn uns zu “sichern” in dem wir in kaufen. Weil wir dieses erste Schöngefühl gerne festhalten möchten um es wann immer wir wollen, reproduzieren zu können. Leider nimmt der Effekt schnell ab. Aber den Gegenstand wollen wir trotzdem behalten, da wir ihn mit dem guten Gefühl so stark verbinden, dass wir glauben uns würde etwas fehlen sobald wir den Gegenstand nicht mehr haben. So sammeln wir immer mehr an. Der zweite Effekt dieses Verhaltens ist der, dass wir es in erster Linie gar nicht schaffen, das schöne Gefühl einfach ganz zu genießen, weil wir so schnell damit beschäftigt sind zu versuchen es festzuhalten. Das können auch Bilder oder Menschen oder Veranstaltungen und viele mehr sein.

In unserem heutigen Gesellschaftssystem ist es so, dass alles den Anschein hat, wir könnten es mit Geld kaufen und dann besitzen. Deswegen streben auch sehr viele Menschen nach Geld. Es verspricht Glück und Zufriedenheit. Aber es kann dieses Versprechen nicht halten. Weil die meisten Menschen das aber nicht erkennen, da sie in einer Falle des Geldverdienens und Konsumierens stecken, die leider damit einhergeht, mehr Geld verdienen zu müssen, um seinen sogenannten Lebensstandard halten oder sogar erhöhen zu wollen. Somit verwechseln die meisten Menschen Geld mit Glücklichsein oder Wohlstand. Aber Geld ist nur eine Maßeinheit wie Meter oder Gramm. Es ist wie wenn wir im Restaurant lieber die Karte haben wollen als das Essen. Das Menü repräsentiert das Essen, ist aber nicht das Essen selbst. So repräsentiert Geld alle möglichen echten Dinge, sind aber nicht diese Dinge selbst. Aber die Täuschung liegt nahe und ist sehr stark. So streben viele Menschen einfach nach mehr Geld ohne tatsächlich zu wissen wofür genau sie mehr Geld möchten, sprich: welche realen Dinge sie gerne hätten.

Um den Kreis wieder zu schließen, komme ich wieder zur Habituation. Wenn ich zum Beispiel ein Auto sehe, das bei mir ein Hochgefühl (high) auslöst, dann möchte ich dieses Hochgefühl festhalten um es jeder Zeit fühlen zu können. Also glaube ich, dass wenn ich das Auto besitze, ich immer dieses high habe. Also kaufe ich das Auto. Am Anfang habe ich noch öfter ein high, auch wenn es nicht mehr so intensiv ist wie beim ersten Mal. Dann nimmt es immer mehr ab. Und irgendwann ist das Auto einfach nur noch “das Auto”. Dann sehe ich irgendwann ein neues Auto, das wieder ein high bei mir auslöst. Also glaube ich, dass ich einfach nur dieses neue Auto kaufen muss um immer dieses high haben zu können. Bei dem geschieht dann wieder genau das gleiche. Um es Dir praktischer zu vermitteln: denke einmal kurz darüber nach, welche materiellen Wünsche Du in den letzten Monaten oder Jahren hattest, die Du dir erfüllen konntest. Und jetzt versuche Dich zu erinnern, welches schöne Gefühl Du hattest, als Du zum ersten Mal den Wunsch danach verspürt hast, es zu besitzen. Und dann das Gefühl das Du hattest als Du es tatsächlich besitzen konntest. Und dann versuche mal zu ergründen, ob Du dieses Gefühl jetzt auch noch hast bei diesem Gegenstand? Oder Du kannst einmal versuchen zu beobachten, welchen materiellen Wunsch Du im Moment hast und das Gefühl anschauen, das er auslöst. Dann, sobald Du Dir den Wunsch erfüllt hast, beobachte die Entwicklung Deiner Gefühle in Bezug auf diesen Gegenstand, und wie lange sie anhalten, bevor der nächste materielle Wunsch aufkommt?

Dieser Effekt tritt nicht nur bei materiellen Dingen auf, sondern auch bei vielen anderen Erlebnissen. Du kannst das ja mal eine Zeit lang bei Dir selbst beobachten. Wenn ich nun diesen Effekt kenne, stellt sich bei mir die Frage, wenn ich einen Wunsch habe, ist es einfach nur einer, bei dem ich versuche ein Gefühl festzuhalten? Wenn das so ist, dann kann ich meine Illusion überwinden und erkennen, das das Muster immer das gleiche ist. Somit verschwindet dieser Wunsch. Wenn es ein authentischer Wunsch ist, wie zum Beispiel etwas zu erleben, das ich noch nicht kenne, von dem ich also noch nicht weiß wie es sich anfühlen wird, dann kann ich dem ja trotzdem nachgehen. Wobei die meisten Menschen Angst haben vor etwas das sie nicht kennen und sich lieber in den bekannten Gebieten aufhalten. Wobei diese meistens langweilig wirken, da wir schon wissen werden was passieren wird oder was nicht passieren wird. Als Folge davon, dass ich meine Wünsche beobachten und einschätzen kann, geschieht häufig, dass ich viele Dinge nicht mehr will (“brauche”), denen ich vorher noch nachgelaufen wäre. Dadurch habe ich mehr Zeit und Ressourcen frei, die ich den ‘echten’ Wünschen widmen kann. Aber das hat noch einen interessanten Nebeneffekt. Wenn ich zum Beispiel das Auto von oben nicht kaufe, weil ich weiß, dass das high nicht anhält, dann erfreue ich mich länger am selben Auto wenn es mir begegnet. Und ich kann mich authentisch darüber freuen, weil ich es nicht mehr festhalten will. Dadurch freue ich mich aber auch über das neue Auto, also gleich über mehrere Dinge. Und vor allem freue ich mich auch dann zum Beispiel über ein “schlechteres” Auto. Und dieser Effekt funktioniert auch bei anderen Erlebnissen. Wenn ich nicht dauernd ein besseres Essen finden muss, dann freue ich mich über das Essen, das jetzt hier ist. Wenn ich einmal richtig Hunger habe, dann schmeckt mir ein einfaches Essen viel besser, als wenn ich stets satt bin und ein noch so “gutes” Essen bekomme. Der Unterschied ist der, das bei der Suche nach etwas “Besserem”, man irgendwann immer weniger findet, über das man sich freuen kann. Oder es ist so unerreichbar, dass Unzufriedenheit vorprogrammiert ist. Wenn ich jetzt zum Beispiel einen Wusnch nach irgendetwas habe, das ich mit Geld kaufen kann, aber nicht genügend Geld habe, dann muss ich mehr verdienen. Das geht meistens mit einer unangenehmen Seite einher (zum Beispiel mehr arbeiten oder einen Job ausüben, der einem nicht gefällt, aber besser bezahlt ist). Jetzt gibt es Menschen, die immer genügend Geld haben, sich alles kaufen zu können. Aber sind die glücklich? Es mag für jemanden, der nicht genügend Geld für seine Wünsche hat, so Aussehen als müssten diese Menschen glücklich sein, weil er es ja wäre, hätte er so viel Geld sich seine Wünsche zu erfüllen. Aber erinnere Dich daran, dass Du jetzt schon viele Deiner Wünsche erfüllt hast, von denen Du früher gedacht hast: “Wenn ich nur das erreiche, dann werde ich glücklich sein!” Und beobachte jetzt einmal, ob Du mit dieser Vorhersage Recht behalten hast?

Schließlich drehen wir uns so lange im Kreis, bis wir entweder nicht mehr weiter kommen, weil wir an eine Grenze gestoßen sind, die wir nicht mehr überschreiten können oder wir erkennen diesen Kreislauf und versuchen daraus auszubrechen. Wenn wir in der ersten Situation sind, sind wir unweigerlich Unzufrieden, weil wir Wünsche haben, die wir nicht erfüllen können. Wenn wir aber den Kreislauf erkennen aus daraus ausbrechen, können wir uns an vielem erfreuen was uns begegnet, was uns vorher gar nicht aufgefallen wäre. Außerdem haben wir viel mehr Zeit und Ressourcen, uns unseren ‘echten’ Wünschen zu widmen. Das sind die Art von Wünschen, von denen unser Glücklichsein nicht abhängig ist. “Es wäre schön, wenn ich das erlebe, aber es würde mich nicht unzufrieden machen, wenn ich es nicht erlebe.”

“Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.” – Hermann Hesse

“Das Glück gehört denen, die sich selbst genügen. Denn alle äußeren Quellen des Glückes und Genusses sind ihrer Natur nach höchst unsicher, misslich, vergänglich und dem Zufall unterworfen.” – Arthur Schopenhauer

“Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.” – Søren Kierkegaard

Geschrieben von mein Mitbewohner am 14. April 2017
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Enjoy.

“Je mehr wir von der Welt verstehen, desto interessanter wird sie; wir können dann Zusammenhänge erkennen, die uns vorher nicht ersichtlich waren. Fazit: würdest Du all’ Deine Erfahrungen oder Dein Wissen hergeben um die Erfahrungen oder das Wissen von jemand anderem bekommen zu können? Falls ja, glaubst Du, dass es Jemanden gibt, dessen Erfahrungen oder dessen Wissen großartiger ist als Deines?”

Geschrieben von mein Mitbewohner am 10. Februar 2017
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Stell’ Dir mal vor…

Stell’ Dir mal vor, die Menschheit entwickelt ihre Videospiele und Computer und sonstigen Geräte sehr viel weiter. Sie werden so weit entwickelt, dass es möglich ist, ein Spiel so zu erleben, als wäre man selbst der Spieler. Also man sieht und hört und riecht und fühlt und denkt alles so wie der Spieler im Spiel. Das wäre dann so ähnlich wie in “Matrix” oder “13th floor”.

Stell’ Dir jetzt mal vor, durch die Art wie dieses Spiel funktioniert, müssen wir so mit dem Gerät verbunden werden, dass alle unsere Sinne angesprochen werden (um eine ideale Illusion erzeugen zu können). Das hieße, dass wir mit unseren Augen nur noch das wahrnhemen könnten, was im Spiel zu sehen ist. Denn wenn wir außerhalb noch etwas sehen könnten, wie zum Beispiel den Rand einer Leinwand, dann wüssten wir immer, dass es sich nur um ein Spiel oder einen Film handelte. Aber wenn wir eine ideale Illusion erleben möchten, dann müsste das alles nicht mehr wahrnehmbar sein. So als würde das Gerät nicht vor die Augen gestellt werden, sondern der Sehnerv direkt an das Spiel angeschlossen werden. Oder direkt ein Signal in die dazugehörige Gehirnregion geben. Dann würden wir im Spiel, das Spiel als besonders “echt” empfinden. Wenn das dann auch noch mit allen anderen Sinnen oder Sinneseindrücken oder Nervensignalen gemacht würde, dann würde das Spiel “echt” erscheinen.

Stell’ Dir jetzt mal vor, das Spiel ist so programmiert, dass man nicht immer wieder die gleiche Geschichte spielen würde, sondern es würde selbst seine (noch unbekannte, neue) Geschichte schreiben. Das wäre viel unterhaltsamer als eine bekannte Geschichte. Außerdem würden sich keine Handlungen wiederholen.

Stell’ Dir jetzt mal vor, dass das Spiel kein Einzelspieler-Spiel ist, sondern ein Mehrspieler-Spiel. Also jeder spielt mit, und gleichzeitig spielt er (wenn er will) auch mit den anderen Charakteren. Natürlich würde dann jeder seinen eigenen Charakter haben. Das Spiel würde auch unendlich viele Variationen programmieren, die sich nie wiederholen würden, damit es lange interessant bliebe.

Stell’ Dir jetzt mal vor, das Spiel hat eine besondere Eigenschaft; nämlich wenn ein Spieler sich an das Gerät anschließt, dann fängt er ein neues Spiel an. Während des Spiels aber kann er nicht mehr aussteigen, so lange bis das Spiel zu Ende gespielt ist. Also natürlich nur das Spiel seines Charakters. Dann endet seine Simulation und er steht aus dem Gerät auf und geht wieder anderen Dingen nach. Oder er geht wieder in das Gerät und spielt ein neues Spiel. Aber wieder mit einem neuen Charakter und einer neuen noch unbekanten Geschichte. Aber wenn er so eine ganze Lebensgeschichte eines Spielers zu Ende gespielt hat, egal ob sie im Spiel 20 Jahre oder 80 Jahre dauert – wenn er wieder aussteigt, ist keine Zeit vergangen. Das Spiel selbst kommt ihm natürlich wie 20 oder 80 Jahre lang vor, weil es eine perfekte Illusion schaffen würde.

Stell’ Dir mal vor, es gäbe so ein perfektes Spiel, dann würde der Spieler im Spiel nicht mehr erkennen können, dass es sich um ein Spiel handelt. Das Spiel wäre seine Realität und er wüsste nicht mehr, dass es noch seine andere Realität “dahinter” oder “draußen” geben würde. Vielleicht am Anfang, als er angefangen hat das Spiel zu spielen würde er den Untscherschied noch kennen. Aber je länger er im Spiel bleiben würde, umso mehr würde er alles dort für echt halten und seinen Ursprung vergessen – auch wenn außerhalb keine Zeit vergehen würde.

Stell’ Dir mal vor…

“Ein Mensch ist ein räumlich und zeitlich beschränkter Teil des Ganzen, das wir “Universum” nennen. Er erlebt sich selbst und sein Denken und Fühlen als getrennt vom Rest in einer Art von optischer Täuschung seines Bewusstseins. Diese Wahnvorstellung ist ein Gefängnis, das uns auf unsere persönlichen Bedürfnisse und die Zuneigung zu einigen uns nah stehenden Menschen beschränkt. Es muss unsere Aufgabe sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Radius des Mitfühlens für andere ausweiten, so dass es alle Lebewesen und die gesamte Natur in ihrer Schönheit umfasst. Niemand kann diese Aufgabe vollends erfüllen, doch gerade die Anstrengungen, dieses Ziel zu erreichen, sind ein Teil der Befreiung und ein Fundament für innere Zuversicht.” – Albert Einstein

Geschrieben von mein Mitbewohner am 24. Januar 2017
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“Der Verstand in ein sehr guter Diener. Jedoch ein sehr schlechter Herrscher.”

Den Verstand im Menschen kann man vergleichen mit einem Motor in einem Fahrzeug. Mit Verstand soll hier gemeint sein, die innere Stimme, die in Form von Sprache (meist) einen lautlosen Monolog im inneren des Kopfes darstellt. Manche Menschen sprechen auch laut aus, was sie im inneren Denken. Aber die meisten machen das lautlos. Und bei den meisten ist das auch ein fast immer stattfindendes Ereignis. So, dass sie gar nicht bewusst wahrnehmen, dass es auch Momente gibt, in denen der Verstand still ist. Meistens sind es ‘zufällig’ auch die selben Momente in denen wir glücklich sind (wir sehen etwas schönes, haben Sex, haben Alkohol/Drogen konsumiert, haben etwas erreicht wonach wir gestrebt haben, haben etwas neues gekauft/bekommen, schauen einen guten Film/Serie und viele mehr). Doch tatsächlich ist es umgekehrt: wenn der Verstand still ist, sind wir glücklich. Das heißt nicht, dass man nicht auch glücklich sein könnte, während der Verstand aktiv ist. Bei einer sinnvollen, erfüllenden Aufgabe zum Beispiel. Aber bei der großen Mehrheit ist es so, dass die Aktivität des Verstandes sie beunruhigt und sie deswegen unzufrieden sind. Auch wenn die Sprache des Verstandes seine Essenz ist (ohne Sprache, gäbe es diesen Verstand so nicht, oder dieses Denken), sagt sie viel mehr aus, als den meisten bewusst ist. Im vorhergehenden Satz zum Beispiel die Worte ‘beunruhigt’ und ‘unzufrieden‘ bedeuten wörtlich, dass keine Ruhe und kein Frieden gegenwärtig sind. Das wiederum bedeutet eigentlich nicht, dass sie nicht gegenwärtig sind, sondern dass etwas anderes da ist, das sie überdeckt. Ruhe und Frieden sind natürliche Grundzustände. Erst wenn zum Beispiel Lärm oder Aktivitäten erscheinen, ‘verschwinden’ Ruhe und Frieden sozusagen. In Wirklichkeit sind sie noch da, nur durch die scheinbar wichtige und auf jeden Fall lautere Aktivität, nimmt unsere Aufmerksamkeit sie meistens nicht mehr wahr. So ist es in unseren Köpfen auch. Ruhe und Frieden (=Zufriedenheit) sind Grundzustände. Erst wenn der Verstand arbeitet und lauter ist, reißt er unsere Aufmerksamkeit an sich und wir übersehen den stillen Frieden.

Nun zurück zum Motor. Der Motor ist ein sehr wichtiger Teil eines Fahrzeuges. Ohne ihn, könnten wir viele Dinge nicht erreichen. Während wir sie erreichen wollen, ist es sehr hilfreich, wenn der Motor läuft. Er verursacht zwar auch Unruhe, aber das ist vollkommen in Ordnung, so lange man fährt. Überflüssig oder unangenehm wird es erst, wenn wir nirgendwo mehr hin wollen, weil wir schon angekommen sind. Dann sollte der Motor aus sein. Aber wenn wir nicht wissen, wie wir ihn ausschalten, läuft er von alleine immer weiter. Das ist manchmal nicht schlimm, so lange er im Leerlauf vor sich hin läuft. Aber auch das verursacht eine leichte Unruhe, verbraucht Energie und erhöht den Verschleiß. Leider bleibt er oft auch nicht ruhig, sondern dreht richtig auf (es gibt ja nichts, was ihn bremst). Dann wird es sehr laut und unangenehm. Er nimmt dann unsere gesamte Aufmerksamkeit in Anspruch und reizt uns. Dadurch können wir uns auf nichts anderes mehr konzentrieren. Geschweige denn das genießen was jetzt wirklich um uns herum geschieht. Stell’ Dir mal vor, Du fährst mit dem Auto an eine schöne Stelle in den Bergen oder am Meer. Und Du kommst nach langer Fahrt endlich an und möchtest Dich entspannen und die Landschaft und die Natur genießen. Doch der Motor lässt sich nicht abschalten. Wie würde sich das anfühlen? Und dann fängt er manchmal auch noch an, einfach hoch zu drehen. Wie sehr kannst Du da die Natur, den Ausblick oder die Gesellschaft anderer genießen? Wo würde Deine Aufmerksamkeit hingezogen werden? Für manche ist die Lösung – weil sie keine andere gelernt haben oder beigebracht bekommen haben – einfach, etwas noch lauteres zu unternehmen, um den Motor nicht mehr zu hören. Das können sein Diskos, Fernsehen, Gespräche/Interaktionen mit anderen Menschen (die dann meistens nicht sehr friedlich verlaufen), Drogen, (Extrem-) Sport und viele mehr.

Aber es gibt auch Training, dass nur dafür da ist, zu lernen wie man den Motor ruhig laufen lässt bzw. ihn ganz ausschaltet. Er verschwindet dann nicht. Sondern er kann wieder gestartet werden, sobald man ihn wieder verwenden will. Aber meistens startet er von ganz alleine wieder. Oft schneller, als man eigentlich möchte. Aber auch das kann in diesem Training geübt werden. Dieses Training heißt in der Umgangssprache ‘Meditation’. Leider hat der Verstand, solange er es nicht besser weiß, gleich eine Vorstellung davon, was Meditation ist und wie sie aussieht. Er zeigt Dir dann einen im Lotussitz (oder Schneidersitz) sitzenden, mit geschlossenen Augen und seinen Händen auf dem Schoß liegenden Menschen, der scheinbar ‘nichts’ tut. Und das sieht für den Verstand (den Motor) langweilig aus, weil er ja gar nichts zu tun hat. Und er braucht immer eine Aufgabe. Wenn er keine hat, (er-) findet er sich eine. Diese Sitzmeditation ist zwar eine Art der Meditation, aber es gibt buchstäblich noch unzählige andere. Meditation kann beim Abwaschen, beim Arbeiten, beim Spazierengehen, sogar beim Autofahren ‘passieren’. Es ist einfach ein bewusstes (und das ist der wesentliche Unterschied) Training des Nicht-Denkens. Man wird nicht bewusstlos, wenn man nicht denkt. Anders als beim Schlafen. Da ist man meist bewusstlos. Manchmal arbeitet der Verstand auch während des Schlafens, das kennen wir als träumen. Aber wenn wir während des Wach-Seins bewusst nicht denken, dann kann man das Meditation nennen. Egal was währenddessen nebenher passiert. Die oben beschriebene Sitzmeditation ist einfach eine sehr hilfreiche Methode, das Nicht-Denken zu üben. Alle Sinneseindrücke haben eine so hohe Anziehungskraft für unsere Aufmerksamkeit. Und wenn wir noch nicht gelernt haben, den Motor selbst abzustellen, dann arbeitet der immer gleich mit. Wenn wir aber gelernt haben (oder lernen), den Verstand bewusst zum schweigen zu bringen, dann können wir unsere ganze Aufmerksamkeit auf alles richten worauf wir möchten. Das Ziel der Meditation ist nicht, nichts zu tun. Das ist eine Stufe auf der Treppe zum Ziel. Das Ziel ist, bei allem wofür wir den Lärm des Verstandes nicht wünschen, ihn einfach auf lautlos zu stellen. So können wir den immer gegenwärtigen Frieden und die Ruhe genießen, die die Voraussetzung für alle schönen Erlebnisse und Erfahrungen sind.

“Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.” – Christian Morgenstern

“Man ist jung, solange man sich für das Schöne begeistern kann und nicht zuläßt, daß es vom Nützlichen erdrückt wird.” – Jean Paul

Geschrieben von mein Mitbewohner am 19. Dezember 2016
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